Kia-Austria-Chef Hölzl: „Sehen das Verbrennerverbot gelassen“

Harald Hölzl, Kia Austria
Die koreanische Marke geht mit einem Produktfeuerwerk ins neue Jahr. Mit einem neuen Elektro-Van wagt man sich in ein bisher unerschlossenes Segment.

Harald Hölzl steht seit Oktober 2024 an der Spitze von Kia Österreich. Zuvor war er mehr als 22 Jahre bei BMW tätig, zuletzt als Leiter von BMW Wien, und bringt damit umfassende Erfahrung in der Automobilbranche mit. Unter seiner Führung konnte Kia 2025 rund 6.400 Neuzulassungen in Österreich verzeichnen. Im Gespräch gibt Hölzl Einblicke in seine Pläne für Kia in Österreich, die aktuellen Trends in der Elektromobilität und seine Perspektive auf die Herausforderungen der Branche.

KURIER: Herr Hölzl, mit welchen Erwartungen gehen Sie als Geschäftsführer in Ihr zweites Jahr mit Kia?

Harald Hölzl: Mit hohen. Wir bringen 2026 ein Produktfeuerwerk, mit EV4, EV5, K4, PV5, Seltos, EV2. Der EV2 erschließt das wichtige B-Segment. Wir wollen ein gesundes Wachstum und Schritt für Schritt mehr Marktanteile.

Auto-Europa tut sich schwer. Wie ist die koreanische Konzernsicht auf Europa?

Das Verbrennerverbot sehen wir gelassen. Für uns ist der Verbrenner in Europa ein Auslaufmodell. Der Konzern richtet sich voll und ganz auf E-Mobilität aus, unsere Produktlaunches gehen eindeutig in diese Richtung. Es gibt aber auch noch Verbrenner, die lassen wir im Portfolio und bieten an, was der Kunde kaufen will. Ich denke, Europa sollte seine Energie in eine klare Richtung lenken. Kein Hop-on, Hop-off, denn die Unsicherheit ist ein Problem. Nicht nur für die Länder, sondern auch für die Autohersteller, die Kunden, die Händler, die ja auch in die BEV-Zukunft (Battery Electric Vehicle) investieren müssen. Wir reden von sehr viel Geld in der Wertschöpfungskette.

Die Transformation ist aber viel schwieriger als von vielen erwartet.

Der Wandel hin zur Elektromobilität ist für alle Beteiligten schwierig. Man muss als Gesamtorganismus gut funktionieren, damit man die BEV-Anteile nach oben bekommt. Wir haben 2025 rund 25 Prozent rein elektrische Fahrzeuge verkauft, das ist eine schöne Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Für nächstes Jahr nehmen wir uns einen BEV-Anteil von 40 Prozent vor.

Insgesamt waren Ihre Verkäufe 2025 aber mäßig.

Das Jahr war für Kia außerordentlich herausfordernd – wie für alle Automobilhersteller in Europa. Wir mussten durch das Beenden der Kurzzulassungen einen großen Lagerbestand abbauen. Sind deshalb in der Zulassungsstatistik hinten, aber Herbst und Winter liefen gut. Insgesamt werden wir unter dem Vorjahr abschließen, aber das war kalkuliert. Wir haben viele neue Produkte in den Markt gebracht, vier komplett neue Modelle, der Sportage ist erneuert. Und Nutzfahrzeuge: zum ersten Mal bieten wir vollelektrische, leichte Nutzfahrzeuge.

Kia PV5 International Van of the Year 2026

Der Kia PV5 wurde im Rahmen der Transport-Fachmesse Solutrans zum "International Van of the Year 2026" gewählt.

Welche Zielgruppe wollen Sie damit erschließen?

Das kann der Taxler sein, die Familie, kleine Unternehmer, Gebäudebetreibende, vom Elektriker bis zum Bäcker. Der PV5 ist vielfach einsetzbar. Auch einen größeren PV7 und PV9 wird es geben.

Erwarten Sie jedes Jahr hohe Steigerungen beim Verkauf von E-Autos? Natürlich. Der Kuchen wird sich einfach umverteilen. Wir sehen nicht nur in den skandinavischen Ländern, sondern auch in den Niederlanden oder Belgien BEV-Shares von über 50 Prozent. Das beweist, dass das mit unserem Produktportfolio geht. Hinzu kommt für Österreich: Unsere Ladeinfrastruktur ist sensationell. Und am Land können viele ihr Auto auch zu Hause laden.

Es wird oft von der Verunsicherung beim Konsumenten gesprochen: Sehen Sie die immer noch?

Ich sehe sehr gut vorbereitete Kunden mit klaren Vorstellungen. Es gibt aber auch viele Halbwahrheiten, die kursieren. „E-Auto-Fahren ist teurer“, „unter 1000-km-Reichweite kann ich nicht leben“, etc. – das wird zum Teil auch von den Medien geschürt. Wir versuchen, diese Mythen zu entzaubern. Ich fahre seit sechs Jahren vollelektrisch quer durch Europa und mache mir keine Sorgen. Die Skeptiker sind meist jene, die noch nie in einem E-Auto gesessen sind.

Die Reichweitenangst ist tatsächlich noch groß.

Wir bieten bei Kia deshalb verschiedene Batteriegrößen an. Aber es geht auch anders: Letztens hat sich ein Kunde beschwert, weil er eine kleinere Batterie wollte. Er wollte das hohe Gewicht der großen Batterie nicht mitschleppen. Es ist also wirklich sehr individuell.

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