Verbot in China: Kommt das Ende der ausfahrbaren Türgriffe auch in Europa?

Ein versenkter Türgriff an einem grauen Auto.
China verbietet ab 2027 elektrisch ausfahrbare Türgriffe. Was bedeutet das für den heimischen Markt und welche Autos in Österreich nutzen diese Technologie?

China hat eine neue Vorschrift beschlossen, nach der elektrisch versenkbare Türgriffe bei Neuwagen ab dem 1. Jänner 2027 nicht mehr zulässig sind. Die Entscheidung betrifft in erster Linie Elektroautos, bei denen sich die Türgriffe automatisch ausfahren, sobald das Fahrzeug entriegelt wird. Begründet wird das Verbot mit Sicherheitsfragen: In bestimmten Unfall- oder Stromausfall-Situationen könnten elektrisch gesteuerte Türgriffe blockieren und so das Verlassen des Fahrzeugs erschweren. Die neuen Regeln fordern wieder mechanisch jederzeit zugängliche Griffmechanismen, die auch ohne elektrische Versorgung funktionieren.

Was bedeutet "elektrisch versenkbar"?

Elektrisch versenkbare Türgriffe verschwinden vollständig in der Fahrzeugkarosserie, sobald das Auto verriegelt ist. Sie fahren erst aus, wenn der Fahrer etwa per Schlüssel, App oder Annäherungssensor die Entriegelung auslöst. Diese Technik unterscheidet sich von klassischen versenkten Griffen, die zwar bündig in der Oberfläche liegen, sich aber jederzeit per Hand herausziehen lassen. Erstere funktionieren ausschließlich elektrisch. Versenkbare Türgriffe gelten als modernes Design- und Leistungsmerkmal, das die Aerodynamik verbessern und den Luftwiderstand senken soll.

Autos mit versenkbaren Türgriffen

Eine Übersicht der derzeit in Österreich relevanten, am Markt verfügbaren Modelle, die mit dieser Grifftechnik angeboten werden.

  • Mercedes‑EQ‑Familie
    Mercedes‑Benz nutzt bei seinen Oberklasse‑Elektroautos das versenkbare Griffkonzept als Teil des aerodynamischen und luxuriösen Auftritts. Sowohl die Limousinen der EQS‑ und EQE‑Reihen als auch ihre SUV‑Varianten setzen auf elektrisch ausfahrende Türgriffe, die nahtlos in die Karosserielinien integriert sind und sich erst beim Zugang aus der Flanke bewegen. Diese Lösung findet sich bei vielen der aktuellen Modelljahrgänge in Österreich wieder und unterstreicht das Premium‑Image der Marke.
  • BMW i7 und iX3
    Auch BMWs Flaggschiff‑Limousine i7, die vollelektrische Variante der 7er‑Serie, ist mit elektrisch ausfahrenden Türgriffen erhältlich, die sich beim Entsperren automatisch präsentieren. Damit folgt BMW dem Trend zu aerodynamischer Gestaltung und digital gesteuerten Komfortfunktionen. Beim BMW iX3 – dem elektrischen SUV auf 3er‑Basis – wird diese Technik ebenfalls eingesetzt, um sein modernes Auftrittsbild zu unterstreichen.
  • Tesla
    Tesla hat elektrisch versenkbare Türgriffe in Europa und Österreich populär gemacht. Alle vier relevanten Modellreihen – Model S, Model 3, Model X und Model Y – nutzen elektrisch ausfahrende oder automatisch präsentierende Griffe, sobald sich der Schlüssel dem Fahrzeug nähert oder es entriegelt wird. Gerade bei Tesla sind diese Griffe ein Markenzeichen geworden.
  • Range Rover / Land Rover
    Die Luxus‑SUV‑Familie von Range Rover setzt bei den neueren vollelektrischen und elektrifizierten Modellen auf elektrisch versenkbare Türgriffe, die sich elegant in das robuste Design einfügen. Dieser Ansatz verbindet traditionelle britische Luxusmerkmale mit modernen EV‑Designprinzipien und ist in Österreich bei den Premium‑Angeboten erhältlich.
  • Hyundai
    Der neue Ioniq 9 setzt als derzeit größtes SUV der Koreaner auf elektrische Türgriffe, die beim Annähern von selbst ausfahren.

Der Wettbewerb aus China dringt auch auf den heimischen Markt. Viele Marken bringen die versenkbare Türgrifftechnik gleich mit:

  • BYD
    Der Seal und der größere SUV BYD Sealion 7 setzen auf derartige Türgriffe als Teil eines "runderen" Aussehens.
  • Jaecoo
    Das Modell "7" kommt in Kürze in Österreich auf den Markt. Auch dieses SUV setzt auf elektrische Türöffner zur Optimierung der Aerodynamik.
  • XPeng
    Modelle wie der G7 oder P7 folgen ähnlichen Designprinzipien, mit bündig integrierten Griffen, die erst beim Zugang aktiv werden.
  • Nio
    Elektroautos des neuen Herstellers, etwa der ET5, bieten bei ihren Limousinen ebenfalls dieses Merkmal, das aerodynamische Effizienz und ein futuristisches Sitzungsgefühl verbinden soll.
Ein silberner Mercedes-Benz EQE SUV vor einem neutralen Hintergrund.

Die Mercedes EQ-Baureihe setzt auf versenkbare Türgriffe.

BMW iX xDrive60

Auch die "Neue Klasse" von BMW soll ab März mit ausfahrbaren Türöffnern erscheinen.

Tesla Model Y Autos werden in einer Fabrik in Deutschland gezeigt.

Teslas Modelle pionierten das Konzept der elektrischen Türgriffe.

Range Rover

Die neuen Modelle von Range Rover setzen auf aerodynamische Türgriffe.

Ein grauer Hyundai Ioniq 9 fährt auf einer asphaltierten Straße.

Der neue Hyundai Ioniq 9 mit flachen Türgriffen.

Ein hellblaues BYD Seal Elektroauto fährt auf einer Landstraße.

Der BYD Seal setzt ausschließlich auf elektrische Türöffner.

Der XPeng-SUV G6 in einem dynamischen Foto auf einer Küstenstraße.

XPeng reiht sich in die Liste der chinesischen Hersteller mit versenkbaren Türgriffen ein.

Jaecoo 7

Der Jaecoo 7 soll in Kürze hierzulande auf den Markt kommen.

Ein rosafarbenes NIO ET5 Elektroauto vor einem neutralen Hintergrund.

Auch Newcomer NIO setzt auf eine flache Karosserie.

Regulierungsmacht China

Da China der größte Automobilmarkt der Welt ist und viele Hersteller dort produzieren, hat das neue Verbot auch Auswirkungen auf Europa. Fahrzeuge werden häufig auf globalen Plattformen entwickelt, sodass Änderungen für China oft automatisch auch die Modelle beeinflussen, die hierzulande verkauft werden.

Die modernen Türgriff-Systeme werden laut der South China Morning Post in der Regel nicht für jeden Markt separat gefertigt, weshalb Vorschriften in China Design, Sicherheitstechnik und Produktion weltweit beeinflussen können. Ob ähnliche Regeln in Europa eingeführt werden, ist noch offen.

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