Die neue Honda WN7: Lautlos, aber nicht unauffällig
Bei der Honda WN7 steht das W für „Wind“, das N für „Naked“ und die 7 soll laut Honda auf eine „hauseigene Leistungsklasse“ hinweisen.
Fenster werden heruntergerollt, Fragen zugerufen, es gibt skeptische Blicke und Daumen nach oben: Die Honda WN7 sorgt für viel Aufsehen, als die Autorin damit durch die Wiener Straßen fährt. Die neugierigen Biker-Kollegen wollen wissen, „wie weit kommen Sie mit dem Teil“, die Skeptiker fragen „was haben Sie dafür gezahlt?“ und die beeindruckten Jugendlichen interessiert, „wie schnell geht das Bike?“.
Man sollte also viele Antworten parat haben, wenn man mit Hondas erstem großen Elektromotorrad unterwegs ist.
Schnell für A2
Das Außergewöhnliche zuerst: Ja, die WN7 ist ein „echtes“ Motorrad – mit ordentlich viel Kraft. Trotzdem reicht für die stärkere Version ein Führerschein der Klasse A2. Angeboten wird das Bike in zwei Leistungsvarianten: mit 18 kW Dauerleistung (25 PS) für A2 und mit 11 kW für A1. Die A2-Version kann kurzzeitig sogar eine Spitzenleistung von 50 kW (68 PS), sowie ein maximales Drehmoment von 100 Nm abrufen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt allerdings bei 129 km/h.
Wählen kann man aus insgesamt vier Fahrmodi: Standard, Sport, Econ und Rain. Im Sportmodus wird die Beschleunigung erst so richtig spürbar, aber auch die starke Motorbremsleistung (Rekuperation), wie man schon beim ersten etwas naiven Versuch zu spüren bekommt. Die Beschleunigung drückt einen förmlich nach hinten und sobald man vom Gas geht, bremst die WN7 ebenso kräftig wieder ab.
Von null auf 100 km/h beschleunigt die WN7 in 4,6 Sekunden – und das nahezu lautlos. Ein Detail, das positiv irritiert: Motorrad ohne Lärm, das ist neu.
Das gefällt
Der simple Naked-Look, die unkomplizierte Bedienung: Alle Tasten und Modi sind während der Fahrt leicht zugänglich und wirken nicht ablenkend. Das Fahrgefühl ist leicht und geschmeidig.
Das gefällt nicht
Keine Feststellbremse und keinerlei Stauraum.
Daten
Honda WN7: 18 kW Dauerleistung (25 PS) in der A2-Version, Beschleunigung von 0–100 km/h in 4,6 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 129 km/h, Reichweite bis zu 140 Kilometer, Ladezeit an der Wallbox rund 2,4 Stunden.
Preis: ab 14.990 Euro.
Aufladen: Überall
Die E-Variante soll laut Honda die Verbrennungsmotorräder nicht ersetzen. Stattdessen wollte man für ein völlig neues Fahrerlebnis sorgen, bei dem man vor allem die Geräusche der Umgebung wahrnimmt. Nicht umsonst steht das W in WN7 für „Wind“.
Die Sorge, wegen der fehlenden Motorgeräusche im Straßenverkehr übersehen zu werden, ist berechtigt – bewahrheitete sich während der zweiwöchigen Testfahrt aber dann doch nicht. Im Gegenteil: Man wird gesehen, angesprochen, manche Autos rücken zur Seite, damit man überholen kann.
Ein weiterer Einwand, den man bei E-Motorrädern häufig hört: die Reichweite. Laut Hersteller beträgt sie bis zu 140 km – der Test bestätigt das. Wir haben nach rund 120 km den Weg zur Steckdose gesucht. Dauer des Ladens bei einer 11-kW-Wallbox: weniger als drei Stunden. Die Energie zieht die WN7 aus einer 9,3-kWh-Hochvolt-Lithium-Ionen-Batterie. „Die WN7 wurde gezielt entwickelt, um die gleichen Ladestandards wie Pkws nutzen zu können“, erklärt Honda-Projektleiter Masatsugu Tanaka. Laden kann man das Bike an einer Haushaltssteckdose, Wallbox oder an öffentlichen Schnellladestationen.
Unkomplizierter Spaß
Ein Begriff, der die WN7 zusammenfasst: unkompliziert. Knopf drücken, starten, fahren. Ähnlich einfach funktioniert das Aufladen: Ladedeckel andrücken, Abdeckung öffnen, Kabel anstecken. Auch das Handling des Bikes ist leicht. Die Bremsen greifen angenehm, aber kräftig – besonders die Hinterradbremse. Ein Haken: Die WN7 hat keine Feststellbremse. Auf unebenem Boden kann das zum Problem werden. Auch das Rückwärtsschieben ist schwierig. Für das Rangieren gibt es aber einen Vorwärts-/Rückwärts-Schrittmodus.
Jetzt zum Aussehen: In der Farbe Graphite Black ist die WN7 schnittig, schlank und modern. Zur Ausstattung gehören Smart Key, Kurven-ABS, HSTC-Traktionskontrolle, Tempomat, ein 5-Zoll-TFT-Display sowie ein USB-C-Anschluss.
Das Fazit der anfangs skeptischen Autorin: absoluter Fahrspaß und ein einzigartiges Fahrgefühl – allerdings zu einem schmerzhaft hohen Preis. Die Honda WN7 ist ab 14.990 Euro erhältlich.
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