BMW-Austria-Chef: „Die E-Mobilität in Österreich funktioniert“

Mängel bei Infrastruktur und fehlende Reichweiten sind laut Alexander Bamberger Geschichte.
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Etwas mehr als ein Fünftel aller in Österreich neu zugelassenen Pkw sind bereits reine Elektroautos. Vom Zuwachs profitiert vor allem BMW. „Wir sind mit einem Anteil von etwa 35 Prozent am reinen Elektromarkt und mit mehr als 55 Prozent aller elektrifizierten Fahrzeuge die Nummer eins in Österreich“, sagt Alexander Bamberger, Geschäftsführer von BMW Austria. „Die E-Mobilität in Österreich funktioniert, weil die Infrastruktur gegenüber anderen Ländern weit voraus ist.“ Das zeige auch der neue iX3. Auf das Modell würden bereits zwei Drittel aller Bestellungen vollelektrifizierter BMW entfallen.

In Süd- und Osteuropa sei die Ladeinfrastruktur hingegen noch immer ein großes Thema, ebenso woher der Strom stamme. „E-Mobilität macht nur Sinn mit Grünstrom“, so Bamberger. Auch das Thema Reichweite ist aus seiner Sicht „Geschichte“. Der neue iX3 könne in 10 Minuten 372 Kilometer nachladen.

Noch gelöst werden müsse hingegen die Intransparenz, was die Preise beim Laden betrifft. „Der Konsument weiß bis zum Schluss nicht, wie viel es kostet. Wir sind keine Freunde von Regulierung, aber hier macht es Sinn.“

Zweite Linie

Auch im BMW Motorenwerk Steyr hält die E-Mobilität zunehmend Einzug. „Wir sind bei den Verbrennern stark, zugleich fahren wir die E-Mobilität hoch“, sagt Werksleiter Harald Gottsche. Im Vorjahr waren es erst 8.500 Stück und damit unter ein Prozent der gesamten Produktion. Heuer werde noch eine zweite Linie für die E-Motorenproduktion in Serienbetrieb gehen, wodurch die Stückzahlen nochmal deutlich gesteigert werden soll. Insgesamt sei dafür eine Milliarde Euro am Standort investiert worden.

Die Mitarbeiter in der Produktion seien für alle Antriebsvarianten einsetzbar, was ein großer Vorteil sei. Dass für den Bau von E-Motoren weniger Mitarbeiter gebraucht werden, trifft laut Gottsche auf Steyr nicht zu. „Wir erzeugen hier selbst viele Komponenten, daher bleibt der Aufwand ähnlich hoch.“ 700 der insgesamt 4.700 Mitarbeitenden seien in der Forschung  tätig, wo an der Entwicklung aller Arten von Antrieben gearbeitet werde.

Dazu zählt auch weiterhin der Diesel. „Wir haben nach 100 Jahren schon einen hohen Standard erreicht“, sagt Gottsche schmunzelnd. Man müsse aber bei der Debatte um ein Verbrennerverbot weg von Ideologien und dürfe nicht am Markt vorbei produzieren, ergänzt Bamberger. Dennoch bleibe das Ziel des Konzerns, bis 2030 die Hälfte aller Neuzulassungen mit E-Antrieb auszuliefern.

Schon im Vorjahr sei BMW der einzige Hersteller gewesen, der die EU-Flottenziele erreicht habe. Gottsche: „Ambitionierte Ziele sind ja ok, aber es ist nicht Aufgabe der Politik, der Industrie zu sagen, wie Grenzwerte erreicht werden.“ Und außerhalb Europas gebe es nach wie vor Bedarf an Verbrennern, etwa in Afrika, wo Elektroautos de facto keine Rolle spielen würden.

Mehr Unabhängigkeit

„Wir müssen unabhängiger von Lithium aus China sowie Öl werden“, sagt Gottsche. Daher seien weiterhin andere Antriebsmöglichkeiten in Entwicklung. Dazu zählt HvO (Hydrotreated Vegetable Oil), ein nachhaltiger, synthetischer Dieselkraftstoff, der aus Abfällen, Reststoffen oder Altöl gewonnen wird. „Hv0 könnte bis 2040 den kompletten Bedarf von Dieselautos abdecken“, so Gottsche. Bereits alle seit 2018 hergestellten BMW-Modelle könnten diesen Treibstoff verarbeiten. In Österreich ist Hv0 an rund 100 Stationen verfügbar.

Auch Wasserstoff bleibe Thema in Steyr. „Wir werden zeigen, dass es geht. In einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren wird er eine weitere Alternative sein.“ Schon jetzt werde eine Produktionslinie umgebaut, 2027 soll es den ersten Prototypen geben, 2028 die Serienproduktion starten. „Der X5 wird das erste Produkt mit fünf Antrieben sein“, so Bamberger. Bis 2030 soll es in der EU ein entsprechendes Tankstellennetz geben.

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