40 Prozent weniger Kosten? Wiener Studie untersucht Mobilität ohne PKW

 Wiener Linien / Robert Peres
Vom Auto auf Öffis und Co umsteigen? Eine neue Studie zeigt, was das an Geld und Zeit bringt.

Zusammenfassung

  • Studie der BOKU Wien zeigt: Umstieg vom eigenen Auto auf Öffis und Sharing-Angebote spart bis zu 40 Prozent der Mobilitätskosten.
  • Teilnehmer legten 42,6 % ihrer Wege zu Fuß, 19,7 % mit Öffis und 16,9 % mit dem Fahrrad zurück, mit nur minimal mehr Zeitaufwand pro Tag.
  • Trotz Herausforderungen bei Fahrten außerhalb Wiens wollen 15 von 28 Haushalten ihr Auto verkaufen oder haben es bereits verkauft.

Drei Monate lang haben 46 Teilnehmer und Teilnemerinnen aus 37 Haushalten im Rahmen der Wiener Linien Auto-Wette ihr eigenes Auto in die Garage gestellt und sind auf Öffis, Sharing-Angebote und Co. umgestiegen. Das Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur (BOKU) hat das Projekt wissenschaftlich begleitet und insgesamt 23.310 Wege und 300.673 zurückgelegte Kilometer von April bis inklusive Juli ausgewertet. 

Schneller und billiger?

Das sind die Ergebnisse: Während der Testphase haben die Teilnehmer 42,6 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurückgelegt, 19,7 Prozent mit den Öffis, 16,9 Prozent mit dem Fahrrad, 19 Prozent mit Leihautos (als Fahrer*in und Mitfahrer*in) oder Taxis und rund zwei Prozent sonstige Mobilitätsformen (wie z. B. Flugzeug, Schiff, etc.) genutzt. Die Teilnehmer haben viele neue Mobilitätswege ausprobiert und dabei durchschnittlich täglich um fünf Prozent weiter entfernte Ziele erreicht als davor mit dem eigenen Auto – das entspricht zwei Kilometern. Dafür wurden im Durchschnitt aber nur drei Prozent mehr Zeit pro Tag aufgewendet, das entspricht viereinhalb Minuten. Das Vorurteil, dass man mit dem Auto in Wien schneller ans Ziel kommt, kann also entkräftet werden.

Wiener Linien

Drei Monate lang haben 46 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 37 Haushalten im Rahmen der Wiener Linien Auto-Wette ihr eigenes Auto in die Garage gestellt.

Ohne eigenes Auto waren die Teilnehmer auch sparsamer unterwegs. Berechnungen der BOKU zeigen, dass die tatsächlichen Mobilitätskosten mit eigenem Auto monatlich bei 425,20 Euro liegen und durch Mobilität ohne eigenes Auto um bis zu 40 Prozent reduziert werden können.

Als herausfordernd wurden vor allem ländliche Ziele außerhalb Wiens empfunden. Der Zeitaufwand mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln wurde dort im Gegensatz zum Auto als deutlich höher eingestuft.  
 

Das Auto verkaufen?


Trotzdem möchten 15 der 28 befragten Haushalte das eigene Auto verkaufen oder haben es bereits verkauft. 13 der Haushalte dagegen sehen keine Möglichkeit, den Alltag ohne eigenes Auto zu bewältigen. Als Gründe geben sie an, dass sie regelmäßige Wege außerhalb Wiens oder kleine Kinder im Haushalt haben – oder die zu geringe Verfügbarkeit von Carsharing. Viele jedoch haben sich umgestellt und nutzen jetzt einen Mobilitätsmix.

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Durch die Nutzung von umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln während der Auto-Wette konnten 5,5 Tonnen CO2 eingespart werden. Insgesamt konnte damit in drei Monaten so viel CO2 eingespart werden, wie ein kleines Wäldchen mit etwa 440 Bäumen in einem Jahr bindet.

Viel Interesse

Fast 3.000 Wiener und Wienerinnen hatten sich im vergangenen Jänner für die Auto-Wette beworben. Im April haben die ausgewählten Teilnehmer ihre Wege noch mit dem eigenen Auto getrackt, von Mai bis inklusive Juli haben sie ihre täglichen Wege ohne Privat-PKW aufgezeichnet.

 27 Teilnehmer waren männlich, 19 weiblich. 21  leben in Haushalten mit mehr als drei Personen, 13 Personen leben zu zweit, 12 Personen leben alleine. 40 Personen sind mit einem eigenen Auto pro Haushalt in die Auto-Wette gestartet, sechs Personen mit zwei oder mehr Autos pro Haushalt. Und 15 Personen haben einen Zweitwohnsitz, den sie regelmäßig aufsuchen.

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