24 E-Autos im Winter-Test: Die unglaublichen Reichweitenverluste
Bei eisigen Temperaturen in Norwegen mussten sich im Jänner 24 Elektroautos beim weltweit größten Reichweitentest "El Prix" beweisen. Rekord-Temperaturen von minus 31 Grad haben die Fahrzeuge herausgefordert. Die Testfahrten auf der 450 Kilometer langen Strecke zeigten eines: Kein Fahrzeug ist in die Nähe seines angegebenen WLTP-Werts gekommen.
Der österreichische Autoclub war das siebte Mal beim Test des Norwegischen Automobilverbands dabei. Dieser findet seit 2020 zwei Mal pro Jahr statt. Einmal im Sommer und wie im Jänner einmal in Eiseskälte im Winter.
E-Autos im Winter-Reichweitentest
Fahren, bis die Batterie aufgibt
Start war am 28. Jänner in Oslo und die Strecke führt in den Norden. Die 450 Kilometer lange Strecke war ein Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn. Auch einige Steigungen mussten die E-Autos bewältigen können. Gefahren wird bis es zu einem Leistungsverlust bei den Fahrzeugen kommt und sie die erforderlichen Geschwindigkeiten nicht mehr halten können.
Getestet wurden Autos, die es in Österreich gibt und welche, die es (noch) nicht gibt. Die bekannten, in Österreich erhältlichen, Autos schnitten wie folgt ab:
(Darstellung: WLTP-Reichweite/Tatsächliche Reichweite/Prozentuale Abweichung)
- Audi A6: 653 km / 402 km / Minus 38,4 %
- BMW iX: 641 km /388 km / Minus 39,5 %
- Ford Capri: 560 km / 339 km / Minus 29,5 %
- Hyundai Inster: 360 km / 256 km / Minus 28,9 %
- Hyundai Ioniq 9: 600 km / 370 km / Minus 38,3 %
- Kia EV4: 594 km / 390 km / Minus 34,3 %
- Mazda 6e: 552 km / 348 km / Minus 37 %
- Mercedes CLA: 709 km / 421 km / Minus 40,6 %
- MG IM6: 505 km / 352 km / Minus 30,3 %
- MG S6: 485 km / 345 km / Minus 28,9 %
- Opel Grandland: 484 km / 262 km / Minus 45,9 %
- Skoda Elroq: 524 km /309 km / Minus 41 %
- Smart #5: 540 km / 342 km / Minus 36,7 %
- Suzuki eVitara: 395 km / 224 km / Minus 43,3 %
- Tesla Model Y: 600 km / 359 km / Minus 40,2 %
- Volvo ES90: 624 km / 373 km / Minus 40,2 %
- Volvo EX90: 611 km / 339 km / Minus 44,5 %
- VW ID.Buzz: 449 km / 277 km / Minus 38,8 %
Der MG S6 und Hyundai Inster schnitten am besten ab. Mit 29 Prozent Abweichung zu angegebenen Reichweite haben ihre Leistungen die Minusgrade am besten überstanden. Durchschnittlich sind die Abweichungen bei knappen 38 Prozent gelegen, so der ÖAMTC-Techniker Florian Merker. Am größten war die Abweichung beim Opel Grandland, Volvo EX90, Suzuki eVitara.
Die am schlechtesten abgeschnittenen E-Autos, das waren Opel Grandland, Volvo EX90, Suzuki eVitara und Lucid Air Grand Touring - letzterer büße fast 46 Prozent Abweichung zur angegebenen Reichweite ein. Der Lucid Air Grand Touring schaffte zwar 520 Kilometer und war damit am weitesten aller getesteten Fahrzeuge gekommen, hätte aber eigentlich eine Reichweite von 960 Kilometern fahren sollen.
Die tatsächlich gefahrenen Kilometer lagen damit zwischen 224 (Suzuki eVitara) und 520 Kilometern (Lucid Air Grand Touring). "Die Daten zeigen, wie wichtig eine gute Streckenplanung und die Verfügbarkeit von Ladestationen für E-Autofahrer:innen im Winter sind – besonders bei sehr niedrigen Temperaturen", betont der ÖAMTC-Techniker. Das belegt auch der parallel durchgeführte Ladetest.
Schneller Ladevorgang trotz Kälte
Gute Ergebnisse erzielten 13 von 24 der E-Autos beim durchgeführten Ladetest der Batterien in Norwegen. Sie erreichten den gewünschten Ladestand von 80 Prozent in weniger als 30 Minuten. Sechs Fahrzeuge waren sogar schneller als vom Hersteller angegeben. Laut dem ÖAMTC sollen in Zukunft Ladegeschwindigkeit, Verbrauchereffizienz und die Verfügbarkeit von Ladestationen wichtiger als die maximale Reichweite eines Elektrofahrzeuges werden.
Noch nicht in Österreich am Markt
Ein weiterer spannender Aspekt des "El Prix" Tests war die Beobachtungsmöglichkeit von E-Fahrzeugen, die noch nicht am österreichischen Markt sind. Zum Beispiel die chinesischen Fahrzeugmodelle Changan Deepal S05, KGM Musso, Xpeng X9 und Zeekr 7X. "Für den ÖAMTC ist es daher eine gute Vorschau, welche Hersteller in der nächsten Zeit den Schritt nach Europa planen“, sagt Merker.
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