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Leitartikel
01/06/2021

Weise aus dem Abendland gesucht

Den „Segen“, den die Sternsinger bringen, können wir gut brauchen. Die Kirche müsste indes ihre „Systemrelevanz“ mutiger beweisen.

von Rudolf Mitlöhner

Mit dem heutigen Tag geht die Weihnachtszeit in ihre Schlussphase (sie endet am kommenden  Sonntag). Die katholische Kirche feiert „Epiphanie“ – die „Erscheinung des Herrn“, gemeint: das Öffentlich-Werden der Geburt Jesu vor der Welt, symbolisiert durch die „Weisen aus dem Morgenland“, vulgo „Heilige Drei Könige“.

Der darauf basierende Brauch des Sternsingens – als „Könige“ verkleidete Kinder ziehen von Haus zu Haus und sammeln für einen guten Zweck – hat heuer pandemiebedingt nur unter besonderen Auflagen stattfinden können.

„C + M + B“ malen oder kleben die Kinder auf die Türen der besuchten Häuser/Wohnungen – was an die überlieferten Namen der drei Weisen (Caspar, Melchior, Balthasar) erinnert, aber eigentlich bedeutet, Christus möge dieses Haus segnen („Christus Mansionem Benedicat“).

„Segen“ können wohl gerade jetzt viele Menschen gut brauchen, wurde ihnen doch in diesen Tagen auch im übertragenen Sinn der Christbaum ziemlich abgeräumt. Das Ende des harten Lockdowns ist wieder in weite(re) Ferne gerückt, was die Mutation des Virus bringen wird, kann keiner sagen – die von allen (außer manchen weltfremden „Systemveränderern“) herbeigesehnte Normalität lässt wohl noch auf sich warten.

Die Bischöfe haben sich redlich bemüht, in ihren Predigten zu Weihnachten und zum Jahreswechsel Hoffnung zu spenden, die Krise auch im Licht des Evangeliums zu deuten. Keiner der hiesigen Hirten hat freilich eine ähnlich mutige Predigt gehalten wie der Passauer Bischof Stefan Oster, der zum Fest der Heiligen Familie (27. 12.) ganz gegen den queeren Zeitgeist das sogenannte „traditionelle“ Familienbild verteidigt hat. Was ihm natürlich heftige Attacken einschlägiger Milieus eingebracht hat. Und dankbaren Zuspruch vieler Gläubiger.

Solcherart erweist sich Kirche tatsächlich als „systemrelevant“. Ob sie das sei, wurde ja in der Corona-Zeit häufig gefragt. Das ist sie aber gewiss nicht, wenn sie sich allzu bereitwillig dem politisch korrekten Mainstream einfügt: von der Gesellschafts- über die Sozial- und Wirtschafts- bis zur Migrationspolitik.

Exemplarisch dafür mag die heuer neuerlich und verstärkt aufgeflammte „Blackfacing“-Debatte rund um die Sternsinger stehen (also über das Bemalen eines der drei „königlichen“ Gesichter mit dunkler Farbe). Weit und breit niemand, der hier dagegenhielte, der sich gar traute zu sagen, dass plumper Antirassismus erst recht rassistisch sein kann. Die Katholische Jungschar zeigt sich „gesprächsbereit“. Ansonsten (auch bischöfliches) Schweigen.

Gibt es eigentlich auch eine Impfung gegen den Hang zur Selbstaufgabe?

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