Martina Salomon

KURIER-Chefredakteurin Martina Salomon

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Leitartikel
04/05/2020

Was uns die Krise gelehrt hat

Lassen wir jetzt nicht zu, dass das Negative überhandnimmt: Vernaderung, Gier, Neid, Jung gegen Alt, Alt gegen Jung.

von Martina Salomon

Auch Nicht-Christen sehnen derzeit Auferstehung herbei. Aber Ostern werden wir noch nicht im weiteren Familien- und Freundeskreis feiern können. Auch wenn das ganze Land dann seit unglaublichen vier Wochen heruntergefahren sein wird. Gut ist: Die Spitäler waren bisher nie überlastet. Sie sind besser ausgestattet als anderswo, und die mit COVID-19- Infizierten wurden daheim getestet, wodurch sich weniger Menschen ansteckten.

Der Shutdown wurde mit bewundernswerter Disziplin befolgt. Das Sozialnetz hält – kein Vergleich mit der (großmäuligen) Supermacht USA. Der Handel funktioniert. Auch Bundesheer, Zivildienst und Dienstleister wie Post oder Banken. Freiwillige helfen. In so einer Krise zeigen sich Innovationsgeist, Mitgefühl und Kreativität.

Was wir bitter gelernt haben? Dass fast kein Land auf eine Pandemie vorbereitet war, obwohl sie spätestens nach SARS vorhergesagt wurde. Dass wissenschaftliche Modellrechnungen falsch sein können. Dass Österreich zwar eine offene Volkswirtschaft bleiben sollte, aber sich in Schlüsselbereichen vom Ausland unabhängiger machen sollte. Die totale Abhängigkeit von China und Indien bei medizinischen Vorprodukten oder so simplen Dingen wie Masken oder Gummi-Handschuhen ist gefährlich.

Und warum Österreich (aber auch Deutschland, Spanien und Italien) bei jetzt 570.000 Arbeitslosen Pflegepersonen mit Sonderflugzeugen aus dem Osten einfliegen muss und Gemüse nicht geerntet werden kann, weil es an Tausenden Arbeitskräften fehlt, ist ebenfalls zu hinterfragen.

Negativität darf nicht überhand nehmen

Nach der Krise wird, nein, muss es eine positive Auferstehung geben. Wobei uns der faktische Zusammenbruch der Weltwirtschaft Jahre des Wiederaufbaus und Wohlstand kosten wird. Aber: Lassen wir nicht zu, dass das Negative, das derzeit leider auch aus seinen Löchern kriecht, überhand nimmt. Es zeigt seine hässliche Fratze in Vernaderung, Gier, Neid, in Jung gegen Alt, Alt gegen Jung.

Muss man eine Bäckerei anzeigen, weil sich die Verkäuferin für einen alten Mann erweichen lässt und ihm auf seine Bitte hin ausnahmsweise einen Kaffee zum Kipferl macht? Ist es notwendig, dass mehrere Bürgermeister im Ausseerland via offenem Brief den Zweitwohnungsbesitzern verbieten wollen, die Osterferien hier zu verbringen? Muss die Polizei einschreiten, wenn Eltern mit Kindern einen kleinen Ausflug wagen?

Kümmern wir uns jetzt und in nächster Zeit lieber um die, die in diesen Wochen unter schweren Existenzängsten leiden, für die „Entschleunigung“ nicht Brotbacken, sondern Arbeitslosigkeit und Verlust des bescheidenen Wohlstands bedeuten. Viele leiden unter Einsamkeit, haben Angst und fühlen sich überfordert. Lasst euch nicht auseinanderdividieren, haltet zusammen – und kauft wieder mehr beim lokalen Handel ein.

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