Meinung
03/31/2019

Warum die Politik so "schmähstad" ist

Weil ein Witz skandalisiert wird oder ewig an der Karriere klebt, waltet immer häufiger Vorsicht.

von Martina Salomon

Wahrscheinlich war die Politik noch nie unlustiger als jetzt, sieht man von unfreiwilliger Komik ab. Davon haben wir momentan sogar recht viel. „Genau genommen ist Trump ein gigantisches Satireprojekt“, sagt Guido Tartarotti im KURIER-Gespräch. Wobei man hinzufügen muss: Bei den Folgen der jetzigen US-Politik – von Handelshemmnissen bis zum Rückzug als Weltpolizist – könnte uns Europäern bald das Lachen vergehen. Vielleicht lacht Trump nach einer allfälligen Wiederwahl sogar als Letzter…

Und beabsichtigte politische Humor-Einlagen? Gehen für die „Hauptfigur“ oft nach hinten los. Siehe die tragende Fernsehrolle von Christian Kern als Pizza-Bote.Der PR-Gag passte einfach nicht zu seinem Image. Auch das „Geilomobil“ des einstigen JVP-Chefs wird Sebastian Kurz wohl seine ganze Kanzler-Karriere lang verfolgen. Oder Erwin Prölls faktenwidriger Scherz, dass er nur ein einziges Buch – nämlich „Schatz im Silbersee“ von Karl May – gelesen habe. Dabei kann sich Pröll zugutehalten, aus Niederösterreich ein Kulturland gemacht zu haben.

Bei der FPÖ hingegen funktioniert Humor oft erstaunlich gut (wenn es denn kein unbeabsichtigter ist, der dann aber eh nie lustig ist). Siehe das Weihnachts-Video, in dem ein Ehepaar nachts von einem angeblichen Einbrecher geweckt wird, der sich als Christbaum schmückender FP-Chef entpuppt, der auch noch Sicherheit verspricht. Ja, das ist schon von einer besonderen Peinlichkeit, doch die Botschaft scheint die eigene Klientel zu erreichen.

Schlachtfeld der Bösartigkeiten

Logisch, dass so etwas hämisch durch die „Gasse“ der sozialen Medien gejagt wird. Aber man ist oft unschlüssig, ob das nun gegen die Urheber oder gegen Facebook, Twitter und die diversen Posting-Foren spricht. Dort hat sich ein Schlachtfeld (nicht nur) der Parteien ausgebreitet, auf dem alle Fairness-Regeln aufgehoben sind und ununterbrochen „Drama“ gespielt wird. Jeder dumme Schmäh wird zum Riesen-Skandal aufgeblasen. Daher legen etablierte Politiker mittlerweile jedes Wort auf die Goldwaage. Während sich das Publikum – auch deshalb – von der Politik abwendet, füllt Satire Säle (Gott sei Dank auch die des KURIER).

Wenn aber die Politik zur spaßbefreiten Zone wird, ist das eine schlechte Entwicklung. Denn mit augenzwinkerndem Witz erreicht man die Herzen der Menschen. Manchmal lässt sich auch die traurige Weltlage nur gemäß dem Spruch „hoffnungslos, aber nicht ernst“ ertragen. Natürlich ist das manchmal ein Grenzgang. Schließlich lauern Beleidigungen und schlechter Geschmack. Wir wagen im KURIER ab Montagabend mit einem neuen Satireportal dennoch diesen Weg. Und eine neue Kabarettkolumne haben wir ab diesem Sonntag auch. Schmäh ohne.