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Leitartikel
09/08/2021

Stochern im Corona-Nebel

Auch wenn es keine Lockdowns mehr geben soll – gefühlt ist die Pandemie auch für die Geimpften nicht vorbei.

von Rudolf Mitlöhner

Sebastian Kurz hält an seiner mehrfach geäußerten Einschätzung fest: Die Pandemie sei jetzt eine der Ungeimpften. Die Impfung sei die Antwort, nicht der Lockdown, so der Kanzler bei der Pressekonferenz am Mittwochvormittag. Das ist richtig und auch nachvollziehbar. Niemand will ein Zurück zu flächendeckenden Lockdowns mit ihren dramatischen ökonomischen, aber auch sozialen Folgen. Das eben langsam wieder erwachte gesellschaftliche und kulturelle Leben lässt die Menschen spürbar aufatmen – die Sehnsucht nach „Normalität“ ist, wie sollte es auch anders sein, groß.

Gefühlt ist die Pandemie dennoch auch für die Geimpften nicht vorbei. Sichtbarstes Zeichen werden die ab kommender Woche wieder vorgeschriebenen FFP2-Masken sein (die freilich ohnedies nie ganz verschwunden waren). Die steigenden Zahlen machen besorgt – auch wenn die Sieben-Tage-Inzidenz zurecht als Leitwährung ausgedient hat und durch die Intensivbettenbelegung abgelöst werden soll. Dazu kommt, dass keiner ausschließen kann, dass weitere Mutationen auftauchen, welche auch mit den bisher zur Verfügung stehenden Impfstoffen nicht bekämpft werden können.

Bemerkenswert übrigens, wie selbst bei jenem Thema, welches die Regierungsparteien am stärksten zusammenschweißt, feine Bruchlinien sichtbar werden: Während das Kurz’sche Narrativ stark mit der Differenzierung zwischen Geimpften und Ungeimpften arbeitet, versucht Gesundheitsminister Mückstein genau dies zu vermeiden. Er weiß zwar auch: „Das Virus unterscheidet zwischen Geimpften und Ungeimpften.“ Gleichzeitig aber  betont er: „Es gibt kein ungeimpftes Österreich. Es gibt kein geimpftes Österreich. Es gibt nur ein Österreich – passen wir aufeinander auf.“

Zwei Welt(sicht)en, deren Bestes diesfalls der vorgestellte Stufenplan ist.

Aber das gehört mittlerweile ebenso zur innenpolitischen Szenerie wie die Aufregung über vorzeitig hinausgehende Informationen über Maßnahmen oder die Empörung der SP-Landeshauptleute über mangelnde Einbindung. Diesfalls kam noch die kleine Spitze des Kanzlers gegen den ORF dazu, am Vorabend des öffentlich-rechtlichen Sommergesprächs ein solches bei der privaten Konkurrenz zu bestreiten. Jenseits der politmedialen Blase interessiert das freilich kaum jemanden.

Einmal mehr gehen wir in einen vom Pandemie-Nebel getrübten Herbst. Aber wenn, wie der Kanzler nicht müde wird zu betonen, das Virus nicht zu verschwinden sich anschickt, bleibt uns nichts übrig, als damit möglichst gut zu leben, wie mit anderen Schattenseiten unserer globalen Zivilisation auch. Deren Selbstreinigungs- und -heilungskräfte sollten wir entgegen allen Untergangspropheten nicht unterschätzen.

aktualisiert am 9. September 2021

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