Viele Bürger hoffen, dass die Lohnsteuer bald gesenkt wird, damit ihnen netto mehr übrig bleibt

© /Fotolia (2), Kurier-Montage Froschmayer

Leitartikel
11/22/2020

Staatsschulden: Wir nähern uns der Luxus-Verwahrlosung

Staaten und Notenbanken geben irre Summen zur Rettung der Wirtschaft aus. Das ist notwendig, hat aber natürlich seinen Preis.

von Wolfgang Unterhuber

Brot und Spiele. Das war das Credo von Julius Cäsar. Schon als Jungpolitiker ließ er Geld in den Armenvierteln von Rom verteilen und veranstaltete Festspiele am laufenden Band. Das sorgte für enorme Popularität. Dafür musste Cäsar aber Geld ausborgen. Sehr viel Geld. Zunächst bei seiner (sehr reichen) Frau, dann bei Oligarchen.

Am Ende, so schätzen Historiker, dürften seine Schulden an die 20 Prozent des römischen BIP betragen haben. Das wäre so, als hätte heute eine Privatperson in Österreich rund 80 Milliarden Euro Schulden. Cäsars Lösung: Er überfiel Gallien und beutete das Land nach Strich und Faden aus. Bis er alle Schulden beglichen hatte.

Brot und Spiele. Weltweit stemmen sich Regierungen und Notenbanken mit gigantischen Summen gegen die Folgen der Pandemie. Bereits im Frühjahr wurden in den Industriestaaten Hilfspakete  von über neun Billionen Euro beschlossen. Global dürften es inzwischen weit über  zehn Billionen sein.

Das entspricht  rund einem Siebtel der Wirtschaftsleistung aller Staaten dieser Erde im Jahr 2019. All die Maßnahmen waren nötig. Um Massenarbeitslosigkeit zu verhindern und Pleitewellen.  

Brot und Spiele. Jetzt jedoch nähern wir uns einer Luxusverwahrlosung. Unternehmen, die es eigentlich längst nicht mehr geben dürfte (weil sie schon vor der Krise mit Förderungen künstlich beatmet wurden), werden durchgefüttert. Die Kurzarbeit gilt nicht länger als begrenzte Notmaßnahme, sondern als neue Heilslehre.

Und überall hört man nur noch: „Holen wir uns, was uns zusteht.“ Denn alle, wirklich alle, sehen sich  als Opfer. Weil sie ihrer Meinung nach zu wenig vom Gratis-Brot erhalten.   

Brot und Spiele. Sobald der Impfstoff da ist, werden wir  aus der Krise herauswachsen. So lautet das neue Mantra. Und mit „Investitionen in die Zukunft“ werden wir auch noch die Klimakrise lösen.  Dazu müsste freilich  für den Rest des Jahrhunderts überall Friede, Freude, Eierkuchen herrschen.

Ohne neues Virus oder Immobilienkrise zwischendurch. Denn Herauswachsen aus der Krise dauert Jahrzehnte.

Brot und Spiele. Es gibt viele Arten, wie ein Staat seine Schulden abtragen kann. Es gibt Ökonomen, die aber meinen, das müsse gar nicht  sein. Stimmt.

Dann erreicht man die ökonomische Power von Griechenland, das seit seiner Unabhängigkeit 1829/30 bereits fünf Mal pleiteging. Oder man träumt vom sozialistischen Paradies. Im „real existierenden Sozialismus“ gibt es ja viele Spiele und keine Schulden. Aber auch kein Brot.

Brot und Spiele. Und wer wird denn jetzt für die ganzen Corona-Milliarden bezahlen? Na, die Gallier. Also wir. Denn die Gallier der Neuzeit, das sind die Steuerzahler.

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