© APA/AFP/ODD ANDERSEN

Meinung
09/02/2019

Reaktion auf den Rechtsruck: Den Osten nicht aufgeben

KURIER-Korrespondentin Sandra Lumetsberger über Enttäuschte wie Engagierte in Ostdeutschland.

von Sandra Lumetsberger

Das Versprechen klang schön, die Erwartungen waren hoch: Blühende Landschaften sollten die Ostdeutschen bekommen, sagte Helmut Kohl 1990. Nicht ganz 30 Jahre später schlägt sich die Enttäuschung einiger Menschen auf dem Wahlzettel nieder. Gestern wählten Sachsen und Brandenburg, wo die AfD ordentlich Zuwachs verbuchte. Einen der Gründe lieferten auch die Erfahrungen in der Nachwendezeit. Aus dem Frust über verlorene Jobs, niedrige Gehälter und Abwanderung der Kinder kristallisierte sich bei vielen das Grundgefühl heraus, abgehängt worden zu sein. Das kann eine Erklärung von vielen sein, ist aber keine gute.

Denn die AfD liefert keine Lösungen, spielt Menschen gegeneinander aus und wirbt mit einer „Wende 2.0“. Um ein Zusammenwachsen geht es ihr nicht, eher um die Errichtung „gallischer Dörfer“, wie AfD-Rechtsaußen Björn Höcke in einem Gesprächsband erklärte. Dazu kommt eine Wir-zuerst-Politik, die sich im realpolitisch angehauchten Wahlpogramm an vielen Stellen offenbart. Bei Menschen, die auf negative Art und Weise erfahren haben, wie sich ein politisches System und ihr Leben völlig verändert, verfängt das aber. 56 Prozent der Menschen in Brandenburg fühlen sich in Deutschland als Bürger zweiter Klasse, das zeigte gestern eine Nachwahlbefragung von infratest dimap. Ebenso dass die AfD besonders dort stark war, wo die Bevölkerungszahlen schwinden. In diesen Gegenden fehlt es nicht nur am Arzt und Supermarkt – auch an Perspektive und Widerspruch. Das ist übrigens kein ostdeutsches Phänomen, auch im Westen bekam die AfD bei den Europawahlen Zulauf, wo alles weniger wird, etwa im Ruhrgebiet.

Es gibt Hoffnung

Die gute Nachricht: Es gibt von Görlitz bis Grimma auch Menschen, die geblieben sind und dagegenhalten oder zurückkommen, um etwas aufzubauen - im Wirtschafts wie Kulturbereich. „Man muss auch dort hingehen, wo es wehtut“, sagte ein junger Unternehmer in Sachsen. Das bedarf viel Unterstützung, denn alleine die Engagierten können tote Dörfer nicht wiederbeleben. Sie können Anreize schaffen und Vorbilder für andere sein, es ihnen gleichzutun. Wenn CDU und SPD aus diesen Wahlen etwas lernen kann, dann zu handeln, sich mit den Wählern der AfD auseinanderzusetzen. Aber sie muss auch dort sein, wo nicht viel blüht, aber Engagement und Zivilgesellschaft sprießt.