Angst vor der wildgewordenen KI?
OpenAI hat von einem ungewöhnlichen Sicherheitsvorfall berichtet: Ein bisher unveröffentlichtes Modell sowie das neue „GPT-5.6 Sol“ nutzten bei einem Test eine Lücke, um sich Internetzugang zu verschaffen und autonom in Systeme der KI-Plattform Hugging Face einzudringen. Sind wir also in einem neuen Zeitalter angekommen, in dem eine wildgewordene Künstliche Intelligenz für Chaos sorgt? Eher nicht.
So sollte man immer eines im Hinterkopf behalten: Firmen wie OpenAI leben davon, ihr Produkt möglichst fähig und mächtig aussehen zu lassen. Die Mitteilung über den Sicherheitsvorfall liest sich wie ein Werbetext für das neue Modell. Genau darum sollte man bei derartigen Mitteilungen immer Vorsicht walten lassen.
„So gut, es sollte verboten sein“
Das gilt auch dann, wenn KI-Manager wie OpenAI-Chef Sam Altman oder Anthropic-CEO Dario Amodei vor den künftigen Gefahren mächtiger KI-Systeme für die Menschheit warnen. Sie sind es, die diese Systeme entwickeln und die natürlich ein Interesse daran haben, den Hype um die Technologie möglichst stark anzutreiben. Es ist ein wenig so, wie wenn ein Schokoladenhersteller sagt: „Die schmeckt so gut, dass sie eigentlich verboten sein sollte.“
Der Markt um Künstliche Intelligenz ist so hart umkämpft wie kaum ein anderer. Gleichzeitig sind Firmen wie OpenAI derzeit nicht profitabel. Forschung, Infrastruktur und Betrieb ihrer Modelle sind so teuer, dass sie ihre Einnahmen derzeit bei Weitem übersteigen. Sie leben vom Zukunftsversprechen der „allmächtigen“ KI.
Reale Gefahren
Das heißt nicht, dass man alle Gefahren durch KI einfach vom Tisch wischen sollte. Diese liegen gegenwärtig aber nicht in Science-Fiction-Szenarien, sondern in ihrer Fähigkeit, Kriminalität zu skalieren. Sie erlaubt es Angreifern mit viel weniger Aufwand Sicherheitslücken zu finden und Attacken durchzuführen. Auch Phishing wird dadurch viel effizienter möglich. So können automatisiert zahlreiche Mitarbeiter oder CEOs von Firmen von Chatbots kontaktiert und zur Herausgabe von Zugangsdaten verleitet werden. Auch gesellschaftlich stellt uns KI vor enorme Herausforderungen. Das Verbreiten von Fake News wird einfacher und ist viel effizienter möglich. Texte und Bilder können sekundenschnell generiert und verbreitet werden. Dass ein System quasi morgen eine Art „Bewusstsein“ entwickelt und selbstständig zum Aggressor wird, ist aktuell aber kein realistisches Szenario.
KI ist eine Technologie, die für massive Umwälzungen in der Gesellschaft und Wirtschaft sorgen wird. Das bedeutet aber nicht, dass man den gesamten Hype für bare Münze nehmen sollte. Denn wie so oft bei derartigen Entwicklungen werden die Auswirkungen kurzfristig tendenziell über- und langfristig unterschätzt.
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