Gastarbeiter im Tourismus: Griechischer Wein statt Jagatee
Geht es nach der österreichischen Bundesregierung, soll der Tourismus wohl immer weiter wachsen. Dass beliebte Orte regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, scheint dabei egal zu sein. Größer ist ein anderes Problem: der Fachkräftemangel.
Dem Tourismus fehlen jedes Jahr mehrere Tausende Arbeitskräfte, auch die Zahl der Lehrlinge und Absolventen in Tourismusschulen sinkt. Die Branche ist deshalb abhängig von Arbeitskräften aus dem Ausland. Demnächst soll dank einer Kooperation die Rekrutierung von Personal in Griechenland beginnen. In der kommenden Skisaison könnte es in Hotels und auf Skihütten dann mehr griechisches Personal geben.
Dass man für die Arbeit, die die Inländer nicht machen wollen, auf Gastarbeiter setzt, hat in Österreich Tradition. In den 1960er und 70er-Jahren wurden Arbeiter aus Jugoslawien und der Türkei ins Land geholt, um schlecht entlohnte und anstrengende Arbeiten zu verrichten. Wirtschaftlich ging dabei einiges weiter. Dass Integrationsmaßnahmen damals vernachlässigt wurden, weil man dachte, dass die Arbeiter sowieso nicht langfristig in Österreich bleiben wollen, ist eine andere Geschichte. Dieses Risiko könnte bei den Griechen ohnehin geringer sein. Zumindest wenn man Udo Jürgens glaubt, der in „Griechischer Wein“ von der großen Sehnsucht der Gastarbeiter nach ihrer Heimat singt.
Was im vergangenen Jahrhundert die Baubranche und Industrie waren, ist nun das Gastgewerbe. Dass Österreicher die Branche meiden, liegt an den fast schon katastrophalen Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft „vida“ berichtete kürzlich von Schwarzarbeit, Übergriffen und sexueller Belästigung. Und dann ist auch noch das Gehalt überschaubar. Für eine Stelle mit 40 Wochenstunden gibt es in der niedrigsten Lohnstufe netto 1.645 Euro. Ein geringer Verdienst für diejenigen, auf deren Rücken die Nächtigungsrekorde der vergangenen Jahre aufgebaut wurden.
Unter diesen Umständen kann man sich als Gast eigentlich nicht wirklich beschweren, wenn Kellner aus Serbien, Ungarn oder eben Griechenland Bestellungen nur in gebrochenem Deutsch aufnehmen. Stattdessen ist Dankbarkeit angebracht, wenn Speisen und Getränke trotz der widrigen Bedingungen den Weg zu Tisch finden. Und dass einige Österreicher fürchten, dass durch ausländisches Personal die heimische Wirtshauskultur verloren geht, ist ebenfalls unangebracht. Dieses Thema ist ein Luxus für Zeiten ohne Personalnot.
Und außerdem: Jeder, der schon einmal bis spät nachts in einer griechischen Taverne gesessen ist, weiß, dass die Gastfreundschaft dort dem Wiener Schmäh um gar nichts nachsteht.
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