Schulreform? Noch ganz viele Hausaufgaben
Machen wir uns nichts vor: Österreich hat einen winzigen Anteil von 0,11 Prozent an der Weltbevölkerung und trägt (immerhin) 0,5 Prozent zur Weltwirtschaftsleistung bei. Österreich ist ein reiches Land, auch innerhalb der EU. Doch die Abstiegsängste werden größer. Dazu kommt die schwierige Situation für Kinder in unserer heutigen Welt: Die Zukunft ist düster, etwa mit Blick auf die Untätigkeit der Welt in der Klima- und Biodiversitätskrise.
Die Handys sind längst nur noch ein kleiner Segen, aber ein großer Fluch. Handy-Sucht, Druck durch die sozialen Medien – und jetzt noch die künstliche Intelligenz, die wirkt, als müsste man selber nie wieder irgendwas können. Dazu die Erkenntnis, dass wir keine Insel sind, ganz im Gegenteil: Die Globalisierung ist mächtig und nimmt ständig an Fahrt auf. Wollen Staaten nicht untergehen, müssen sie sich auf die neue Welt vorbereiten.
Insofern ist eine große Bildungsreform, wie sie nun von Bildungsminister Christoph Wiederkehr vorgestellt wurde, prinzipiell begrüßenswert. Wiederkehrs „Plan Zukunft“ ist ehrgeizig und durchaus umfassend, und auf den ersten Blick ist der Großteil von den wissenschaftlich belegbar Besten kopiert.
Aufregend, nicht unbedingt im positiven Sinn, ist dabei der Plan einer Verlängerung der Volksschule auf sechs Jahre und der entsprechenden Kürzung der Unterstufe auf zwei. Wiederkehrs Plan hebelt so die alte Debatte um eine gemeinsame Schule der über Zehnjährigen aus. Und mit 14, also nach der achten Schulstufe, stünde ja die ganze Breite unseres Bildungssystems, von Matura mit Lehre bis zu den altsprachigen Oberstufen, offen.
Um das auch umsetzen zu können, müsste erstens die Regierung gemeinsam hinter dem Projekt stehen, was die ÖVP definitiv nicht tut. Zweitens müsste das bestens und für alle verständlich kommuniziert werden. Da kann man zweifeln, ob Wiederkehr das schafft. Denn was hieße so eine Volksschulreform für die Gymnasien? Diese Frage ist weder einfach, noch von Wiederkehr bisher beantwortet. Wiederkehrs größtes Problem wird die Finanzierung sein. Schon jetzt gibt kaum ein Land mehr für die Bildung pro Kopf aus. Mehr als zwölf Milliarden Euro stecken wir jährlich ins Schulsystem, und dafür – das müssen wir ehrlich sagen – können wir nicht zufrieden sein. Wie kann es sein, dass viel zu viele Jugendliche mit 15 Jahren nicht ausreichend lesen, rechnen und schreiben können?
So wichtig eine umfassende Reform wäre, droht Wiederkehrs große Bildungsreform zu scheitern, wenn er seine Hausaufgaben nicht erledigt. Dann wird der „Plan Zukunft“ wie so viele Reformvorhaben der vergangenen 30 Jahre wieder in ministeriellen Schubladen verschwinden.
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