Der Küniglberg bröckelt
Was mit einer Affäre zwischen Ex-Generaldirektor Roland Weißmann und einer Mitarbeiterin begonnen hat, zieht mittlerweile den gesamten ORF hinunter. Tief hinunter. Oder wie es ein Betroffener formulierte: Es wurde ein Flächenbrand ausgelöst. Wobei derzeit weit und breit niemand ausfindig zu machen ist, der oder die weiß, wie man so ein Feuer unter Kontrolle bringt. Weder am Küniglberg selbst, noch im Stiftungsrat, noch auf der bisher kolportierten Liste für die zukünftige Führung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Im Gegenteil. Derzeit tauchen vielmehr vermehrt jene Personen auf, die mit diebischer Freude Öl in das Feuer gießen, um aus dieser ORF-Krise Kapital schlagen zu können. Verortet sind diese Brandstifter in der Politik, in manchen Medien oder besonderen Machtzirkeln.
Inakzeptable Chats von Weißmann
Es geht nicht mehr nur um die Beziehung von Weißmann als Generaldirektor mit einer ORF-Mitarbeiterin und die verstörenden, ungustiösen, teilweise auch völlig inakzeptablen Chats, die dieses Verhältnis begleitet haben. Der Compliance-Bericht hat festgestellt, dass es sich nicht um sexuelle Belästigung gehandelt habe. Die Mitarbeiterin bleibt dennoch dabei, dass es für sie sexuelle Belästigung war. Wirklich profitieren werden am Ende des Tages nur die Anwälte.
Sonst kennt diese Affäre nur Verlierer. Dazu zählen auch jene, die bei der Veröffentlichung besagter Chats Grenzen überschritten haben, weil wohl Klicks im Netz ihre Leitlinie geworden sind. Trotz vieler gegenteiliger Beteuerungen.
Was für den ORF auf dem Spiel steht
All jene, die jetzt glauben, dass mit der Klärung der Affäre Weißmann der ORF aus den Schlagzeilen gerät, werden und müssen enttäuscht werden. Diese toxische Beziehung hat zwar alles ins Rollen gebracht, für den ORF steht mittlerweile aber mehr auf dem Spiel als das Führungsverhalten am Küniglberg. Das millionenschwere Pensionspaket für Pius Strobl, die jährliche Liste der Top-Gehälter im ORF, die plötzliche Beurlaubung des Chefs der ORF-Vermarktungstochter Enterprise, die Gerüchte um Kokain-Konsum am Arbeitsplatz, weitere Belästigungsvorwürfe etc. Das alles hat in der Öffentlichkeit ein verheerendes Bild erzeugt. Da wird nicht mehr unterschieden, ob im Gegenzug etwa die Redaktion gute Arbeit leistet, ob das Programm passt. Es wird alles in einen Topf geworfen und spielt in erster Linie der FPÖ in die Hände, die ohnehin die Haushaltsabgabe abschaffen will.
Der Schaden ist angerichtet, und er ist enorm. Da wird es nicht mehr reichen, eine neue Generaldirektorin oder einen neuen Generaldirektor zu installieren. Da muss jetzt eine große Reform her, die ihren Namen verdient. Und die den ORF im Auge hat – und nicht bloß Eigeninteressen.
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