Krieg und 14 Tage Frieden: Wahnsinn ohne Methode
Eben noch wollte Donald Trump, Friedensnobelpreisträger in spe, die „Zivilisation auslöschen“, zumindest jene im Iran (einem Land, das tatsächlich eine Zivilisation hatte, als Amerika noch so weit davon entfernt war wie die Rückseite des Mondes von der Erde). Dann, knapp 90 Minuten vor Ablauf des Ultimatums, blies der FIFA-Friedenspreisträger zum Rückzug: 14 Tage Waffenruhe, großes Aufatmen, sinkende Ölpreise, steigende Aktienkurse, Siegesgeheul auf allen Seiten. Alles wieder gut? Mitnichten. Aber alles besser als ein nervöser Finger am Abzug des größten Waffenarsenals der Welt.
Fünfeinhalb Wochen hat der Krieg (bisher) gedauert. Er wurde angeblich begonnen, um die Welt sicherer zu machen. Das Gegenteil ist eingetroffen. Sind die atomaren Optionen des Iran zerbombt? Das waren sie doch schon im Juni 2025, nachdem US-Tarnkappenbomber Atomanlagen zerstört hatten. Sind die Mullahs weg? Keine Rede. Kann man davon ausgehen, dass Israel, jüdische Einrichtungen und der Westen künftig weniger gefährdet sind? Keinesfalls.
Der Iran-Krieg war/ist, nach jetzigem Ermessen, völlig sinnlos – wie die meisten Kriege. Wir erinnern uns an jenen im Irak, der 2003 mit dem Ziel begonnen wurde, Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein auszuschalten. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass damals gelogen wurde, dass sich die Balken bogen. Und am Ende wurde Saddam aus einem Erdloch gezogen – was für ein Triumph. Diesmal wurde nicht einmal ein plausibler Rechtfertigungsversuch für den Kriegsbeginn unternommen, weil offenbar angesichts sinkender Aufmerksamkeitsspannen eh schon alles egal ist.
Der Krieg hat aber auch gezeigt, wie sehr sich Trump von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an der Nase herumführen ließ, als er sich in den Krieg stürzte. Immerhin hat nun er die Waffenruhe verordnet, ohne auf seinen „Freund“ zu hören.
Der Krieg legte auch schonungslos offen, wie fragil die Weltwirtschaft ist. Falls China tatsächlich Taiwan einmal angreift, sollte man rasch weltweit Erdäpfel einlagern.
Wie verrückt die Rhetorik des US-Präsidenten mittlerweile ist, haben die vergangenen Tage auch gezeigt. So etwas kennt man sonst nur von deklarierten Faschisten. Apropos: Putin war so ziemlich der einzige Gewinner dieses Krieges, weil er enorm vom steigenden Ölpreis profitierte.
Wie durch einen Zufall hat dieser Krieg übrigens die EU eine Spur autonomer von Trump werden lassen. Das Nichts-Tun stand ihr (und auch den Briten) diesfalls gut.
Stichwort Autonomie: Was es noch dringend als Lehre mitzunehmen gälte, wäre eine totale Offensive, um uns energiemäßig unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu machen. Auch vom Erdöl-Exporteur USA. Was muss noch alles passieren, um diese Notwendigkeit zu kapieren?
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