Erfolge hinter dem Vorhang

Health engineer bioprinting models at a 3D laboratory
Ein kanadischer Milliardär investiert in die Forschung in Österreich. Der notwendige Jubel auf höchster Ebene ist leider ausgeblieben.
Martin Gebhart

Martin Gebhart

In einer Welt, die gefühlt vollkommen aus den Fugen geraten ist, tut man sich schwer, positive Meldungen zu verkaufen. Trotz der Sehnsucht, die die Menschen danach gieren lässt. Und so hält sich auf diesem Marathon der schlechten Stimmung die Erzählung, dass es solche Meldungen vielleicht gar nicht mehr gibt.

Es gibt sie aber, und es verwundert, dass die Regierung diese nicht konsequenter aufgreift, um das Bild von Österreich als heruntergekommenem Staat zurechtzurücken. Nehmen wir nur den vergangenen Samstag her. Da wurde bekannt, dass der kanadische Milliardär und Co-Gründer des Internet-Fahrdienstleisters Uber, Garrett Camp, dem Spitzenforschungsinstitut ISTA in Klosterneuburg fünf Millionen Euro spendet, damit dieses im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) forscht. Garrett Camp lebt in San Francisco. In jener Stadt, die als die Heimat der KI-Giganten gilt. Und dieser Mann hat sich für seine einzige Investition in die KI-Forschung in Europa das ISTA ausgesucht. Was beweist, dass etwa in der Wissenschaft unser Ruf in der Welt besser ist, als das angesichts des täglichen Jammerns zu vermuten wäre.

Forschung und Bildung: In Österreich hinterm Vorhang

Die Spitze der niederösterreichischen Landesregierung vermeldete dann auch die Spende und verwies auf den besonderen Status von ISTA. Von der Bundesebene hingegen war vorerst gar nichts zu hören. Erst auf mediale Nachfrage gab es wenige Tage danach ein eher nüchternes Statement aus dem Wissenschaftsministerium. Jetzt mag vielleicht manchem eine Spende von fünf Millionen Euro nicht groß genug erscheinen, um in der Öffentlichkeit Tamtam zu schlagen. Immerhin hatte Ende 2021 eine heimische Unternehmerin dem ISTA rund 25 Millionen Euro vermacht. Aber auch damals wurde das nicht in dem Maße zelebriert, wie es notwendig gewesen wäre.

Dabei wäre es ein Gebot der Stunde, angesichts des klammen Budgets private Investoren zu animieren, in österreichische Wissenschaftseinrichtungen und Universitäten zu investieren. In vielen anderen Staaten ist das gang und gäbe. Bei uns wird das meist hinter dem Vorhang versteckt. Wohl auch, weil noch immer der Anspruch vorherrscht, dass all diese Finanzierungen – wie in vielen anderen Bereichen auch – der Staat bewältigen muss. Und dem privaten Kapital sehr oft misstraut wird.

Wenn 2026 schon zum Jahr der großen Strukturreformen ausgerufen worden ist, die uns die Reformpartnerschaft zwischen Bund und Ländern bringen soll, dann wäre zielführend, wenn gleichzeitig auch an einem Umdenken gearbeitet wird. 

Nach dem Motto: Es muss nicht immer der Staat sein, der alles leistet, der alles finanziert. Es wäre sinnvoller, wenn vielmehr der private Kapitalmarkt zu Investitionen in öffentliche Einrichtungen animiert würde.

Porträt eines Mannes mit Brille vor dem Schriftzug „Kurier Kommentar“.

Kommentare