Pecunia non olet - Warum die Politik in Finanzbildung investieren muss
https://kurier.at/wirtschaft/finanzwissen-finanzbildung-oenb/403106520Geld macht glücklich, wenn man rechtzeitig d’rauf schaut, dass man’s hat, wenn man’s braucht.“ Wer diesen Satz von Josef „Joki“ Kirschner kennt, dem sind Bausparverträge und Sparbücher, die im DIN-A6- und nicht Scheckkartenformat von Großeltern verschenkt wurden wie Palmers-Gutscheinmünzen, nicht fremd. Für den sind Zinssätze bis fünf Prozent für Erspartes keine Wunschvorstellung, sondern Wirklichkeit. Doch die Realität zeichnet sich längst durch Niedrig- und bisweilen Nullzinspolitik aus. Und dennoch liegt die Sparquote in Österreich konstant hoch – im knapp zweistelligen Bereich, belaufen sich die Spareinlagen gemäß Oesterreichischer Nationalbank auf über 200 Milliarden Euro. Von den immer noch im Umlauf befindlichen knapp sieben Milliarden Schilling gar nicht zu reden.
Warum das so ist? Vielleicht, weil man über Geld immer noch nicht gerne spricht, es aber im besten Fall hat? Weil das Wissen darüber fehlt, wie der Finanzmarkt funktioniert und was der private Anleger davon hat, Erspartes in Anleihen, Aktien oder Fonds zu investieren anstatt es bei geringeren Zinsen und höherer Inflation weniger wert werden zu lassen? Im Wissen um dieses Unwissen hat sich die Dreierkoalition im Regierungsprogramm der „umfassenden Finanzbildung für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen“ verschrieben und einem „Dachfonds zur Mobilisierung von nationalem und internationalem Risikokapital“. Wie viele Wissenslücken es zu schließen gilt – allein zwischen Krypto-Investments und täglich fälligem Sparbuch sowie zwischen Alt und Jung – das verdeutlichen die Zahlen.
Jeder Fünfte, der sich an eine Schuldnerberatung wendet, ist unter 30. Die Generationen, die mit dem Handy aufgewachsen sind, zahlen damit und zunehmend drauf. Weil der Überblick über das Ausmaß der Ausgaben online verloren geht, machen Jugendliche, die eine Bankverbindung aber noch kein eigenes Einkommen haben, immer öfter Schulden. Allein um dem zu entgehen, mehren sich die Rufe nach einem Schulfach. Laut einer OGM-Umfrage wollen 26 Prozent lieber mehr über Finanz wissen, denn Künstliche Intelligenz als eigenes Fach vermittelt bekommen (12 Prozent).
Je schneller dem Wunsch Rechnung getragen wird, desto eher könnten – zumindest mittelfristig – alle profitieren: Private, die ihr Erspartes nachvollziehbar investiert wissen wollen, und jene Unternehmen, die durch eben dieses Kapital besser wirtschaften können – und zwar in Österreich, wo derzeit gespart werden muss. Laut Fiskalrat gar doppelt so viel wie der SPÖ-Finanzminister meint. Allein um ein Verständnis für den notwendigen Sparkurs der kommenden Regierungen bei den Wählern herzustellen, muss die Politik in die Finanzbildung investieren. Und zwar jetzt.
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