Migranten in die Politik

Migranten in die Politik
In Großbritannien sind Politiker mit Migrationshintergrund normal – gerade bei den Konservativen. Wieso bei uns nicht?
Evelyn Peternel

Evelyn Peternel

Zugegeben: Die Performance der britischen Politik der letzten Monate (vielleicht auch Jahre) lässt tatsächlich zu wünschen übrig. Brexit, Johnson,  Durchzug in der Downing Street – war schon wesentlich besser, nicht wahr? 

Aber eines muss man den Briten lassen: Ihre politische Elite ist ein Abbild der Gesellschaft, nicht nur ein Abbild althergebrachter Machtstrukturen. Rishi Sunak ist der erste nichtweiße Premier des Landes, er ist auch noch Hindu, er hat Kabinettsmitglieder mit nigerianischen und indischen Eltern. Dazu haben zehn Prozent der britischen Unterhausmandatare Migrationshintergrund, das ist fast so viel wie in der Bevölkerung.

Und bei uns? Da sitzen mehr Bauern und Juristen im Parlament als Migranten. Nur fünf Prozent der Abgeordneten haben Wurzeln im Ausland; wäre das Hohe Haus ein echtes Abbild der österreichischen Realität, müssten es fast ein Viertel sein.

Woran das liegt, darüber kann man philosophieren. Dass die britische nationale Identität etwa nicht an der Staatsgrenze endet, sondern sich – dank imperialer Vergangenheit – immer als global begriffen hat. Dass auf der Insel, salopp gesagt, in jedem Inder immer ein potenzieller Brite gesehen wurde (wenn auch ein nicht ganz gleichwertiger, sei dazu gesagt). Das haben wir in Österreich nicht: Bei uns fremdelt man mit den eigenen Migranten, ganz im Wortsinn, und ein wenig wohl auch mit der eigenen Identität.

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