© APA/dpa/Moritz Frankenberg

Leitartikel
02/13/2021

Kuss-Emojis nur an unsere Lieben

Ein versöhnliches Ende einer Woche, in der wir unser Image wieder einmal ordentlich ramponiert haben.

von Gert Korentschnig

Na, das war ja wieder einmal etwas, die letzte vollständige Woche im Fasching 2021. Und wie so oft in der närrischen Zeit weiß man nicht, ob die vergossenen Tränen lachenden oder weinenden Ursprungs waren.

Sie begann mit Zwist zwischen Wien und Tirol (eigentlich zwischen Tirol und dem Rest der Welt), der an Eduard Wallnöfer (ÖVP-Landeshauptmann von 1963 bis 1987) gemahnte. Der hatte einst damit gedroht, die Tiroler Schützen aufmarschieren zu lassen, falls in Wien nochmals jemand auf die Idee komme, Osttirol Kärnten zuzuschlagen. Diesmal war es die FPÖ, die einen Grenzeinsatz der Schützen in Erwägung zog. Und der Tiroler Wirtschaftskämmerer blies ins gleiche Waldhorn, als er meinte, man werde die Tiroler richtig kennenlernen, während ein Grün-Politiker fragte, was denn eine Abschottung Tirols den Tirolern bringe. Bestimmt haben ein paar „Lei-Lei“ gerufen (auch dort gebräuchlich).

Schon wenige Tage später dann der nächste Aufreger: Die Wohnung des Finanzministers wurde von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft durchsucht. Und auch da setzte sofort der bekannte Reflex ein: jeder in seinen Schützengraben. Die drei Oppositionsparteien und auch Teile der kleinen Regierungspartei (wann zerreißt es die eigentlich angesichts des Spagats in Permanenz?) schossen sich auf den Minister und die türkise Führung ein. Diese wiederum reagierten mit Schwüren und Gegenoffensiven. Und im Hinterland formierten sich auf beiden Seiten die Trolle mit raschen (Vor)-Urteilen. Ein Schuldiger muss her.

Wer recht hat, das werden die Amtsläufe zeigen, möglicherweise erst nach vielen Monden. Aber ein sachlicher Umgang sieht in beiden Teilen des Landes – Tiroler Berge und Wiener Niederungen – anders aus. Warum gibt es nicht längst schon Strukturen, die Korruption bis zur schieren Unmöglichkeit erschweren? Warum hat der Rechnungshof trotz Ibiza weiterhin keinen Detaileinblick in Parteifinanzen? Warum ist in Österreich in so vielen Bereichen Verschleierung beliebter als Aufklärung?

So wurde innerhalb einer Woche sowohl das Image Tirols beschädigt als auch die Republik in die Nähe eines mutmaßlichen Korruptionssumpfes gerückt. In der Innensicht mag das alles anders aussehen, wer es jedoch schafft herauszutreten, kann über ein ausgeprägtes Talent zur Selbstbeschädigung staunen. Der hasserfüllte Kampf gegen politische Gegner, die Durchsetzung eigener Interessen gegen Feindbilder, das Bedienen seiner Klientel sind wichtiger als das gemeinsame Ganze. Nichts gelernt seit Wallnöfer.

Aber verdrängen wir als Verdrängungsweltmeister das wenigstens für einen Tag lang, und schicken wir zu St. Valentin Kuss-Emojis nur an unsere Lieben. Ab Montag beginnt ohnehin eine neue österreichische Woche.

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