korentschnig.jpg

© Kurier

Leitartikel
10/20/2020

Kurvendiskussion

Der Härtegrad der Maßnahmen passt wieder einmal zu den Umfragen. Dabei ginge es jetzt um Klarheit in der Kommunikation

von Gert Korentschnig

Wie doch die Bilder einander nicht gleichen. Mitte vergangener Woche ging Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit der Botschaft massiver Verschärfungen in der Corona-Bekämpfung ins Fernsehen: Er wurde von zwei Journalisten interviewt, nahm zu allen Fragen ausführlich Stellung und erklärte, warum es sogar Ausgangsbeschränkungen brauche. Äußerst unpopuläre Einschränkungen also, aber klar kommuniziert.

Zu Beginn dieser Woche traf das virologische Quartett in Österreich zu seiner nächsten Sendung zusammen – und wie beim literarischen hieß es am Ende: Vorhang zu, und alle Fragen offen. Die Herren präsentierten in bekannter Reihenfolge (kann man übrigens, um Zeit zu sparen, den Vizekanzler einmal auslassen?) ein paar Maßnahmen, die alles andere als ein Hammer sind, bestenfalls ein Hämmerchen.
 

Nur noch private Zusammenkünfte von sechs Personen indoor, also daheim. Kontrollieren kann man das nicht, im Büro und im Geschäft gilt es nicht – wozu also?

Nur noch Zusammenkünfte von maximal zwölf Personen outdoor – und das, obwohl die Ansteckungsgefahr im Freien wesentlich geringer ist.

Nur noch bis zu 1.000 Besucher bei Kulturveranstaltungen indoor – das wiederum ist keine wesentliche Verschlechterung gegenüber bisher, allerdings müssen während der Aufführungen Masken getragen werden.

Und nur noch 1.500 Zuschauer bei Veranstaltungen outdoor – welchen Sinn macht das, wenn es doch etwa im Rapid-Stadion 24.000 Sitzplätze gibt und es zuletzt keine nachgewiesenen Infektionen auf Tribünen gab?

Eigentlich hatte man angesichts der Desaster-Kommunikation der letzten Tage mit heftigeren Beschränkungen gerechnet. Was da präsentiert wurde, ist die Wellness-Variante eines Lockdowns. Nicht, dass man sich über massive Einschnitte gefreut hätte. Aber diese Aktion legt zwei Theorien nahe: Entweder ist alles doch noch nicht so schlimm (wahrscheinlich falsch); oder es kommen bald weitere Restriktionen, über die man sich in diesem Schritt nicht drüber getraut hat (wahrscheinlich richtig).

So einschneidend die Vorschriften im März waren, so sanft sind sie es heute. Dass der Härtegrad jeweils den Umfragen entspricht, wird kein Zufall sein. Dazwischen gab es Sommerpause, jetzt kommt der Winterschlaf.

Vielleicht war aber diese (Nicht)-Verschärfung primär eine Botschaft an Touristen: Wir tun eh etwas, ihr könnt ruhig Ski fahren kommen, es bleibt gemütlich. Dabei hätte vor allem die Bevölkerung mehr Klarheit verdient, siehe Frankreich.

Was jetzt das Schönste wäre: Die Menschen halten sich ein paar Wochen an die Abstandsregeln, tragen Masken, feiern nicht ausgiebig – und reduzieren die Infektionszahlen. Die Botschaft wäre eindeutig: handeln statt hanteln.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.