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Meinung Kommentare Kultur
01/02/2020

Kultur in der neuen Regierung: Das Letzte, aber zumindest kein Anhängsel

Man darf gespannt sein, wie die erste Kulturverantwortliche aus den Reihen der Grünen den nicht sehr großen Spielraum nützen wird.

von Georg Leyrer

Die Kultur war das Letzte - zumindest das letzte Ressort, das in den Message-Vorwehen zur neuen Regierung einen Namen, eine Wertigkeit innerhalb der Ministerien und ein Gesicht bekam. Nun also: Ulrike Lunacek wird Staatssekretärin für Kunst und Kultur.

Immerhin leistet sich die "Kulturnation", die Österreich immer sein will, damit nach vielen Jahren nun wieder eine eigene Beauftragte für das Portfolio. Kunst und Kultur verschwanden zuletzt immer bei Personen, die Anderes - und gefühlt Wichtigeres zu tun hatten: Hinter der Regierungskoordination bei Gernot BlümelThomas Drozda und Josef Ostermayer, hinter der Bildung bei Claudia Schmied. Lunacek soll Kogler zwar auch in Europafragen beratend zur Seite stehen, aber nominell gilt ihr Job nur der Kultur.

Wieviel Spielraum das nunmehrige Kunststaatsekretariat haben wird - nominell ist es dem Vizekanzler Werner Kogler zugeordnet -, das hängt nicht zuletzt wieder von Blümel ab: Er hat nun das mächtige Finanzministerium inne, ist also Herr der Geldbörsen. Ob er die für beim Koalitionspartner beheimatete Kunst und Kultur besonders weit öffnen wird, darf man mit Spannung abwarten - als zuständiger Minister hat Blümel selbst das bekannte Lied von der Wichtigkeit der Kultur gerne gesungen, ohne große wesentliche Veränderungen vorzunehmen.

Lunacek ist in der Kultur-Branche wohl ein recht unbeschriebenes Blatt, weit weniger jedenfalls als die lange gehandelte Eva Blimlinger. Die Baustellen sind die selben wie seit vielen Jahren: Es gilt rasch einige Posten auszuschreiben und zu besetzen - Volksoper, Museum Moderner Kunst -, und die Bundes-Institutionen zumindest nicht am langen Arm finanziell verhungern zu lassen. Die wünschen sich seit Jahren eine Valorisierung der Subventionen; bekommen haben sie sie nicht.

Der Spielraum für eine grüne Handschrift in der Bundeskultur ist da, aber nicht groß: Die freien Mittel im Kulturministerium sind durchaus begrenzt.  Umso gespannter darf man sein, wie die erste Kulturverantwortliche aus den Reihen der Grünen diesen nützen wird.