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Kommentar
10/22/2019

Wo Max Lercher sicher recht hat

Die internen Verwerfungen bei der SPÖ machen sprachlos. Es wird tatsächlich eine Art Neugründung brauchen.

von Rudolf Mitlöhner

Nicht nur in Prozentpunkten liegt die ÖVP deutlich vor ihren Mitbewerbern auf Platz zwei und drei – auch in puncto Performance trennen die Türkisen Welten von SPÖ wie FPÖ.

Man kann es auch anders sagen: Von den drei Parteien, mit denen die Volkspartei jeweils eine Mehrheit hat und demnach eine Koalition bilden könnte, sind zwei in deplorablem Zustand.

Ob die Geschlossenheit der Grünen die Sondierungs- und sonstigen Gespräche überdauert, bleibt abzuwarten – wie es derzeit aussieht, dürften die Dinge indes so schlecht nicht stehen. In sich gefestigt und guter Dinge sind auch noch die Neos, aber halt mangels Masse kein zentraler Player.

Während aber bei der FPÖ zumindest seit Jörg Haiders Zeiten ein gewisses autodestruktives Potenzial immer wieder zum Tragen gekommen ist (nicht von ungefähr nannte Andreas Khol seinerzeit das Regieren mit der FPÖ „a zittrige Freud’“), überraschen die internen Verwerfungen bei den Sozialdemokraten auch langjährige Beobachter des Geschehens.

Früher dachte man, solche Zustände seien eher typisch für bürgerliche Parteien, die sich ja im Unterschied zur politischen Linken nicht als geschlossene Bewegung auf Grundlage einer tragenden Erzählung verstehen. Nun ist es – Ideengeschichte hin oder her – tendenziell umgekehrt. Anlass zur Häme gibt es auch für politische Gegner keinen.

Die tiefgreifende Krise der Sozialdemokratie wird sich freilich nicht durch ein paar organisatorische Maßnahmen beheben lassen. Zumindest in dem Punkt dürfte Max Lercher recht haben: Es wird so etwas wie eine Neugründung der Bewegung brauchen – eine Art Hainfeld 2.0. Darunter wird es kaum gehen.

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