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Vom Dolce Vita bis zum Nordkap

Eine Verteidigung der Freiheit auf zwei Rädern in Reaktion auf eine Karikatur von Michael Pammesberger - von Sabine Haiderer.
Motorräder starten in die Saison

Es gibt diese Momente, die man schwer erklären kann: Der erste warme Frühlingstag, Helm auf, Motor starten – und plötzlich fühlt sich selbst der Weg zum Kaffee wie ein kleiner Urlaub an. Ein Roller, ein paar Kilometer durch die Stadt, ein Espresso im Freien: ein bisschen Dolce Vita mitten im Alltag. Und dann gibt es die andere Seite: Motorrad beladen, Seitenkoffer dran, Navi programmiert – und los geht’s. Über die Berge, durch Norwegen, entlang der Fjorde, vielleicht bis ans Nordkap. Tage, an denen der Weg zum Ziel wird und man Landschaft nicht durch eine Windschutzscheibe erlebt, sondern mit allen Sinnen. Genau das ist Motorradfahren: Lebensgefühl, Freiheit, Abenteuer. Aber eben auch Mobilität und faszinierende Technik.

Mehr als die Hälfte der motorisierten Zweiräder werden als Mobilitätsmittel genutzt. Und der Trend geht dahin, dass sich Familien aus wirtschaftlichen Gründen statt eines zweiten Autos ein Zweitbike anschaffen. Das ist auch gut für die Umwelt: Zweiräder brauchen weniger Platz, verursachen weniger Verkehrsbelastung und machen die Parkplatzsuche deutlich einfacher. Auch beim CO₂-Ausstoß schneiden sie im Vergleich zum Auto deutlich günstiger ab.

Über Motorräder wird trotzdem häufig sehr eindimensional gesprochen: laut, gefährlich, umweltschädlich. Natürlich gibt es zu laute Motorräder und rücksichtslose Fahrer. Natürlich müssen wir über Sicherheit, Lärm und Umwelt sprechen. Aber danach eine ganze Branche und ihre Kundinnen und Kunden zu beurteilen, greift zu kurz.

Das Motorrad von heute unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben. Abgas- und Geräuschgrenzwerte werden laufend verschärft, aktuelle Neufahrzeuge erfüllen die Euro-5+-Vorgaben. Moderne Einspritztechnik, Abgasnachbehandlung, Elektronik und Sicherheitssysteme zeigen: Die Zweiradbranche entwickelt sich ständig weiter. Und dahinter stehen Menschen und Unternehmen. Der VÖ2R (Verband der österreichischen Zweiradhändler) vertritt die heimischen Zweiradhändler. Viele davon sind Familienbetriebe, die Arbeitsplätze schaffen, Lehrlinge ausbilden und ihre Regionen wirtschaftlich mittragen. Sie beraten, warten und reparieren Fahrzeuge und sorgen dafür, dass Kundinnen und Kunden professionell und sicher unterwegs sind.

Auch wirtschaftlich ist die Branche relevant. Motorradfahrer brauchen Werkstätten, Reifen, Ersatzteile, Bekleidung und Zubehör. Auf ihren Touren übernachten sie, gehen essen und besuchen Regionen. Gerade der Motorradtourismus bringt Wertschöpfung in ländliche Gebiete.

Freiheit braucht Verantwortung

Das Schöne am Motorrad ist seine Vielfalt: Für den einen ist es der Roller für den Weg durch die Stadt, für die andere das erste eigene Motorrad. Für manche geht es um die Sonntagsausfahrt – für andere beginnt das Abenteuer erst hinter dem Brenner und endet am Nordkap. Als Obfrau des VÖ2R wünsche ich mir deshalb eine Diskussion, die beides zulässt: berechtigte Kritik und Begeisterung. Wir müssen nichts schönreden. Aber wir sollten auch nichts pauschal schlechtreden.

Motorradfahren bedeutet Freiheit – aber Freiheit braucht Verantwortung. Diese Welt ist vielfältig. Und sie ist es wert, dass man sie kennenlernt, bevor man über sie urteilt.

Zur Autorin: 
Sabine Haiderer ist Obfrau des VÖ2R (Verband der Österreichischen Zweiradhändler)

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