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Bitte nicht mit Gewalt den Wurm im ORF-Apfel suchen

Eine Replik auf Stefan Broczas Gastkommentar „Friss, Vogel, oder stirb“ von Wolfgang Rest.
PLENARSITZUNG ORF-STIFTUNGSRAT MIT BESTELLUNG DER DIREKTOREN-RIEGE - PK

Der Gastkommentar unterstützt die tendenziell schlechte Stimmung gegen den ORF, weil zwischen den Zeilen zu lesen ist, dass etwas an der Vorgangsweise der Bestellung der Direktoren nicht in Ordnung sei. Bei dem sensiblen Thema ORF sollte aber auch relativiert werden.

Eine westliche Demokratie muss sich einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk leisten: weil sonst die Meinung von reichen Exzentrikern vorgegeben wird – und dies nicht nur auf dem Nachrichten-Sektor, sondern auch im Fiktionalen. Man denke nur an die Propagandafilme im Dritten Reich! Daher: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk muss Vollprogramm sein – auch wenn Teile der Bevölkerung glauben, dass es sich auf den Nachrichtensektor reduzieren lässt.

Dass die Menschen aber gerade in Zeiten von Teuerung ungern für etwas zahlen, das noch dazu angreifbar ist – no, na. Ebenso wie die Tatsache, dass Populisten das billig aufgreifen und gegen Zwangsgebühren wettern. Zwangsgebühren. Was für ein Wort! Jede Gebühr ist natürlich vorgegeben: Kanalgebühr – egal wie oft die Klospülung betätigt wird; U-Bahn-Abgabe auch für Fußgänger, Auto- und Radfahrer.

Qualität kostet

Aber betrachten wir jetzt die (berechtigte) Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich. Die ist, neben dem Entsetzen über das furchtbare Verhalten einzelner Mitarbeiter, wohl dreigeteilt: 1. Die hundertprozentige Objektivität wird in Frage gestellt. Dieser Vorwurf muss ernstgenommen werden, umso mehr als er einem öffentlich-rechtlichen Medium gemacht wird. Vielleicht sollte ja eine Kontrollinstanz eingerichtet werden. Es ist schließlich nur allzu menschlich, wenn Journalisten gegen eine Partei voreingenommen sind, die deren Rundfunkanstalt am liebsten zerschlagen möchte. 2. Über die Qualität des Programms wird die Nase gerümpft. Dazu ist leider zu sagen: Qualität kostet! So wie um den Preis eines Mopeds keine hochwertige Limousine produziert werden kann, lässt sich mit ORF-Produktionsbudgets kein Spielfilm herstellen, der mit Hochglanz-Produktionen à la Netflix mithalten kann. Mit einer höheren Haushaltsabgabe könnte dem deutlich entgegengesteuert werden. 3. Die (teure) Struktur des ORF wird angeprangert. Das ist natürlich richtig, ist aber gar nicht hauptsächlich Schuld des ORF. Wenn als Beispiel hohe Gagen genannt werden, muss man: a) den internationalen Standard für vergleichbare Jobs im Medienbereich anschauen, b) Gagen in staatsnahen Betrieben (Post, Bahn, Energieversorger etc.) vergleichen, c) nicht aus den Augen verlieren, wie viele Versorgungsjobs hier die Politik fordert!

Wenn Stefan Brocza meint, dass dem Stiftungsrat sämtliche Kandidaten bekannt gegeben werden müssten, wie es ja bei der Wahl zum Generaldirektor auch gemacht wird, vergleicht er Äpfel mit Birnen. Der Generaldirektor wird vom Stiftungsrat bestellt, der die Direktoren aber „nur“ bestätigt. Das ist ein grundlegender Unterschied! Clemens Pig wurde vom Stiftungsrat als Generaldirektor ausgewählt und präsentierte nun sein Team. Der Stiftungsrat hatte dann zu beurteilen, ob Herrn Pig dabei ein grober Fehler unterlaufen ist. Um im WM-Jahr wieder einmal den Fußballjargon zu bemühen: Der General muss aus den richtigen Playern das beste Team formen. Hier öffentlich zu kommunizieren, welche Kandidaten (warum) weniger geeignet schienen – cui bono?

Bleiben wir also dem ORF gegenüber kritisch, ohne mit Gewalt den Wurm im Apfel zu suchen.

Zum Autor: 
Wolfgang Rest ist Inhaber der FILM27, die u. a. die TV-Reihe „Dennstein und Schwarz“ produziert hat.

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