Was die Krise im Iran mit unseren Böden zu tun hat

Nicht nur unsere Energieversorgung ist bedroht, die Blockade der Straße von Hormus ist auch ein Warnsignal für die Landwirtschaft. Ein Gastkommentar von Manfred Hohensinner.
Eine Handvoll Erde mit einer kleinen Pflanze darin.

Wenn über die Straße von Hormus gesprochen wird, geht es fast immer um Öl, Gas und Energiepreise. Genau dort liegt der blinde Fleck der Debatte. Denn über diese Route laufen auch große Mengen an Düngemitteln. Die International Fertilizer Association verweist für 2024 auf rund 18,5 Millionen Tonnen Urea, also Harnstoff, der über die Meerenge von Hormus exportiert wurde.

Für Österreich ist das ein Alarmsignal. Nicht, weil morgen die Lebensmittelregale leer sind. Sondern weil sichtbar wird, wie verwundbar unser System geworden ist. Auch die Krisensicherheit der heimischen Landwirtschaft hängt an der Straße von Hormus.

In Österreich gehen laut Umweltbundesamt rund sechs Tonnen fruchtbarer Boden pro Hektar und Jahr verloren. Gleichzeitig ist Humus zentral für Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaltevermögen und stabile Erträge. Anders gesagt: Je schwächer der Boden, desto stärker die Abhängigkeit von externen Inputs.

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Manfred Hohensinner.

Während wir bei Energie längst über Resilienz, Unabhängigkeit und strukturellen Umbau sprechen, fehlt in der Landwirtschaft noch immer das breite Bewusstsein dafür, wie eng Versorgungssicherheit und Bodenqualität zusammenhängen. Hinzu kommt: Österreich ist bei zentralen Lebensmitteln schon heute deutlich importabhängig. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei Gemüse bei 55 Prozent, bei Obst bei 33 Prozent. Wenn also gleichzeitig Böden schwächer werden und zentrale Betriebsmittel anfälliger für geopolitische Krisen sind, wächst der Druck auf die heimische Lebensmittelproduktion doppelt.

Die strategische Antwort darauf muss sein, in die Revitalisierung unserer Böden zu investieren. Denn gesunde Böden erneuern sich von selbst, speichern Wasser besser, halten Nährstoffe länger im System, puffern Wetterextreme ab und machen landwirtschaftliche Produktion robuster.

Hier setzt zum Beispiel BeeWild an: Wir dürfen Landwirtschaft und Artenschutz nicht länger als Gegensätze behandeln. Denn wo die Natur ausgeräumt wird, verliert am Ende auch die Landwirtschaft ihre Stabilität. Im Marchfeld haben wir rund 21 Hektar Bienenweiden mitten in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft zum Kartoffelanbau angelegt. Diese Flächen schaffen Lebensraum für Bestäuber und Nützlinge und können den Druck durch Schädlinge in benachbarten Kulturen verringern. Die Wirkung war rasch sichtbar: Nützlinge haben sich angesiedelt und mittelfristig entstehen gesündere Böden. Auch die Landwirte vor Ort waren anfangs skeptisch. Am Ende wollten sie die doppelte Fläche an Bienenweiden, weil der Ansatz in der Praxis überzeugt hat.

Das zeigt, dass Versorgungssicherheit nicht erst im Hafen beginnt, sondern im Boden. Was die erneuerbaren Energien für das Energiesystem sind, ist die Revitalisierung der Böden für die Landwirtschaft: der Weg aus einer gefährlichen Abhängigkeit.

Zum Autor:
Manfred Hohensinner ist Co-Gründer von Frutura, einem Produzenten und Vermarkter von Obst und Gemüse. Er ist Initiator von BeeWild, einer privatwirtschaftlich getragenen Biodiversitätsinitiative.

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