Iran-Krieg: Mögliches Ende mit drei Siegern – wer sind die Verlierer?

Die kommenden zwei Wochen könnten für das Ausstiegsszenario entscheidend sein. Ein Gastkommentar von Walter Feichtinger.
FILE PHOTO: Illustration shows map showing the Strait of Hormuz and Iran

*** Der Gastbeitrag wurde vor dem Hormus-Ultimatum Donald Trumps verfasst ***


Auch wenn der Krieg noch heftig tobt und die Kriegsrhetorik seltene Blüten treibt – die Erschöpfung Irans und Israels sowie die zunehmende Kriegsverdrossenheit der USA könnten zu einem raschen Einlenken der drei Kriegsparteien führen. Nach drei Wochen intensiver Luftkriegsführung wird die Frage nach der Kriegsdauer immer drängender, denn eine längere Unterbrechung des Öl- und Gastransports durch das Nadelöhr der Straße von Hormus könnte verheerende Folgen für die Weltwirtschaft bringen. Ihre Kontrolle oder Sperre ist daher Irans stärkste strategische Waffe. Doch auch das Regime in Teheran kann sich nicht unbegrenzt um seine wichtigste Einnahme bringen, will es einen wirtschaftlichen Kollaps vermeiden. Irans unter Lebensgefahr stehenden Machthabern werden über kurz oder lang die Raketen und Drohnen ausgehen, was ihre Verhandlungsposition dramatisch schwächen würde.

Ein Mann im Anzug steht in einem modernen, hellen Büro und blickt freundlich in die Kamera.

Walter Feichtinger.

Zugeständnisse

Westliche Zugeständnisse sind somit zu erwarten, solange die Revolutionsgarden eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Dabei könnte die erneuerte iranische Führung darauf verweisen, dass sie dem aus ihrer Sicht „großen und kleinen Satan“, USA und Israel, militärisch die Stirn geboten und erhebliche Schäden zugefügt hätten. Außerdem hat der Iran den Golfstaaten aufgezeigt, dass die USA sie nicht schützen kann, obwohl sie Unsummen für US-Rüstungsgüter ausgegeben haben. Es müsste daher im Interesse der gesamten Region sein, geordnete und friedliche Beziehungen mit Teheran zu haben.

Der USA, respektive Präsident Trump, dürfte mittlerweile klar geworden sein, dass der Iran nicht mit Venezuela zu vergleichen ist. Man hat die Möglichkeiten des Iran sträflich unter- und die eigenen Möglichkeiten deutlich überschätzt. Das iranische Regime sitzt weiter fest im Sattel, die Bevölkerung ist in Deckung gegangen und wird so schnell keinen bewaffneten Aufstand wagen. Der außen- und innenpolitische Preis dieses Krieges steigt täglich, die Folgekosten sind nicht abzuschätzen. Hohe Spritpreise in den USA und erwartbare Verluste bei den Midterm-Elections legen die Suche nach einem Ausstiegsszenario nahe. Das wäre einfach zu finden, indem Trump behauptet, seine Mission erfüllt zu haben. Nachdem bisher keine klaren Kriegsziele definiert wurden, könnte es genügen, zu behaupten, das Atomwaffen- und Raketenpotenzial des Iran vernichtet zu haben und ihm damit die Waffen zur Bedrohung der gesamten Region aus der Hand geschlagen zu haben.

Israel hat zweifellos das größte Interesse an einer Fortführung des Krieges zur nachhaltigen Schwächung des Irans. Für Netanjahu geht es darum, die direkte Bedrohung aus dem Iran auszuschalten sowie mittelbare Gefahren durch dessen Verbündete zu verhindern. Allerdings ist Israel nicht in der Lage, den Krieg ohne die USA auf längere Zeit in dieser Intensität durchzustehen. Erste Ermüdungserscheinungen infolge des Kampfes an drei Fronten – Südlibanon, Gaza und Iran – treten bereits zutage, es könnten auch Ressourcenprobleme bei zentralen Waffensystemen hinzukommen. Nolens volens könnte daher auch Israels Regierung Verhandlungen zustimmen, denn immerhin ist es gelungen, die Repräsentanten des verhassten Mullah-Regimes zu eliminieren, dem iranischen Sicherheits- und Militärapparat enorme Schäden zuzufügen und damit auch die Unterstützungsmöglichkeiten für deren Verbündete Hisbollah und Hamas auf längere Zeit drastisch zu reduzieren.

Furcht am Golf

Ein gewichtiges Wort könnten auch die Golfstaaten einbringen, die zunehmend unter der Gewalteskalation leiden und um die florierende Zukunft der arabischen Halbinsel fürchten.

Die kommenden zwei bis drei Wochen werden darüber Aufschluss geben, ob dieses optimistische Szenario mit drei „Siegern“ schlagend wird. In diesem Zeitraum müsste das iranische Offensivpotenzial soweit vernichtet worden sein, dass es nur mehr zu wenigen Raketen- oder Drohnenangriffen reicht, die von der gegnerischen Abwehr abgefangen werden könnten. Eine nachhaltige Sperre der Straße von Hormus, etwa durch exakt positionierte und versenkte Schiffe, wäre in diesem Szenario zu vermeiden oder zu verhindern. Es ist zu befürchten, dass die iranische Bevölkerung in diesem Szenario der Verlierer bleibt.

Zum Autor:
Walter Feichtinger ist Militäranalyst, Präsident des Center für Strategische Analysen und stv. Vorsitzender der Wehrdienstkommission.

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