Gastpatienten, Zwangsverpflichtung und der Honorardeckel

Die Ideen, um den heimischen Ärztinnen und Ärzten das Leben schwer zu machen, häufen sich. Ein Gastkommentar von Peter Poslussny.
Ein Stethoskop und eine Medikamentenflasche liegen auf einem Tisch in einer Arztpraxis.

Wieder einmal gebar die heimische Gesundheitspolitik eine neue Idee. Es begann mit dem Vorschlag, Spitalsärzt*innen Nebenbeschäftigungen zu verbieten. Als klar wurde, dass das Sanitätswesen (z.B. Ärztefunkdienst) damit großen Schaden erleiden, es keine Sachverständigen (außer Pensionist*innen), keine Theaterärzt*innen etc. geben würde, wurde es darüber bald ruhig.

Es folgte die Idee einer Zwangsverpflichtung im öffentlichen Gesundheitssystem nach Ende des Studiums. Alsbald fiel der Groschen, dass de facto alle Ärzt*innen zumindest für die Zeit der Ausbildung in einem öffentlichen Spital tätig sind. Argumentiert wurde, die Öffentlichkeit hätte ja das Studium finanziert und damit quasi das Recht, zu bestimmen, wer wo arbeitet. Dass auch Techniker, Juristen etc. „auf Staatskosten“ studierten, trat rasch zutage – Debatte beendet.

Mann mit braunen Haaren, Brille und blauem Sakko über beigem Pullover vor blau-grauem Hintergrund.

 Peter Poslussny.

Dem ist aber noch lange nicht genug: seit Wochen bestimmt das Thema „Gastpatienten“ den öffentlichen Diskurs, der derzeit nur durch den Krieg im Iran und ein Drama im ORF verdrängt wird. Und auch in dieser Diskussion um Patienten, die zwar vielleicht in Wien arbeiten, aber das Pech haben, in der Ketzergasse auf der falschen Straßenseite gemeldet zu sein, waren zumindest Teilschuldige rasch ausgemacht: es sind wieder einmal die Wahlärzte, die im Umland von Wien ordinieren, jedoch ihre Patienten in einem Spital in Wien operieren. Die Drohung, Betten zu sperren, folgte rasch. Nicht ein möglicherweise schlecht verhandelter Finanzausgleich, nein, die Ärzt*innen sind es, die hier ein Ungleichgewicht schaffen, indem sie für Geld Patient*innen hin- und herschieben.

Womit wir beim Thema Geld wären. Deckelung der Honorare bei Wahlärzten (maximal 150 €) ist die neue, zündende Idee der Gesundheitsministerin, der Gewerkschaftsbewegung entstammend. Sie redet damit der sozialistischen Planwirtschaft das Wort. Welches der Probleme im heimischen Gesundheitssystem damit behoben werden soll, bleibt ungewiss. Etwa 40 % der Österreicher*innen zahlen bereits in eine Krankenzusatzversicherung ein. In vielen dieser Verträge sind Ordinationshonorare beim Wahlarzt inkludiert – so what?

Bald gibt es in den Schulen Stress: entscheidende Schularbeiten stehen an. Laut einer IFES-Studie unter Eltern benötigt annähernd die Hälfte der Oberstufenschüler Nachhilfe, zumeist in Mathematik. Bis zu 60 € kostet die Nachhilfestunde, die zumeist nur 50 Minuten dauert. Es steht der Bundesministerin für Soziales durchaus zu, hier eine Deckelung der Honorare zu fordern. Bei zwei Kindern in der Oberstufe, die zehn Stunden Nachhilfe in Anspruch nehmen ist rasch das monatliche Haushaltsgeld aufgebraucht. Abgesehen davon, dass niemand ernsthaft hinterfragt, worin die Defizite liegen, die einen derartigen Aufwand notwendig machen.

Und für die österreichische Fußballnationalmannschaft sollten bei der WM in den USA pro Sieg und Spieler 150 € Prämie ausreichend sein, immerhin ist man eingeladen. Hoffentlich gibt es dann von Marko Arnautović keine auf den Deckel.

Zum Autor:
Peter Poslussny ist Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Herz- und Gefäßchirurgie in Wien.

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