Und jährlich grüßt das Hilfspaket
Eines der trockensten Halbjahre der Messgeschichte, eine Milliarde Euro Schaden: Die Zahlen sind ernst, die Last für die betroffenen Betriebe ist enorm. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig nennt 2026 „ein absolutes Ausnahmejahr“.
Kann man so sehen. Die letzten Jahre sprechen eher dagegen. 2013 Dürre. 2014 Hilfen aufgrund des Russlandembargos. 2015 Dürre. 2016 extremer Spätfrost, vierzehn Cent für jeden Liter Milch, der nicht geliefert wurde. 2018 Dürre. 2019 Dürre. 2020 und 2021 Corona-Hilfen. 2022 eine Beihilfe wegen des Krieges in der Ukraine. 2023 bis 2025 Mineralölsteuersenkung, Frost-Soforthilfe, Liquiditätsbeihilfe, Hochwasserhilfe. 2026 Dürre. Soforthilfen kennen offenbar kein schlechtes Wetter: zu trocken, zu nass, zu kalt, zu ertragreich. Es findet sich verlässlich ein Grund, warum die Steuerzahler den Bauern Geld überweisen sollen. Wir haben es hier also nicht mit einer Ausnahmesituation zu tun. Was wir haben, ist ein Hilfspakete-Abo. Obendrauf auf die Agrarförderungen, die wir jedes Jahr bezahlen.
Dabei existiert ein Teil der Lösung längst. Rund achtzig Prozent der Ackerflächen sind gegen Dürre versichert: Rechtsanspruch statt Bittgang, ohne Ministerrat und ohne Pressekonferenz. Das Hilfspaket fragt am Ende jedoch nicht danach, wer vorgesorgt hat und wer nicht. Genau darin liegt das Problem. Ökonomen nennen es „Charity Hazard“: Wer weiß, dass nach dem Schaden ohnehin jemand zahlt, versichert sich seltener und passt sich langsamer an. Das ist kein Vorwurf an die Landwirte, sondern eine rationale Reaktion auf die Anreize.
Billiger wird das System dadurch nicht: Jede Hilfe nach der Dürre ist die Ankündigung der nächsten. Dass sie verlässlich kommt, hat Gründe. Kaum eine Gruppe ist so gut organisiert: eine Kammer mit Pflichtmitgliedschaft, ein eigenes Ministerium als Ansprechpartner, eine Wählerschaft, die weiß, wo das Kreuz hingehört. Die Kosten verteilen sich auf alle Steuerzahler.
Anpassen statt fördern
Andere arbeiten ebenso unter freiem Himmel und reagieren anders. Die Seilbahnen haben auf wärmere Winter mit Beschneiung geantwortet, finanziert weitgehend über die Ticketpreise, nicht über ein Hilfspaket. Anpassung heißt aber nicht nur investieren. Sie heißt auch, dass Standorte verlagert oder aufgegeben werden, weil sie nicht mehr tragen. Das ist bitter. Eine Förderung ändert daran nichts, sie verzögert das Ende und verteuert es.
Wir brauchen keine Nachsorge für Risiken, die sich versichern lassen. Zumal die Steuerzahler auch noch 55 Prozent der Prämien zu zahlen haben. Wir brauchen mehr Eigenverantwortung im Land der Subventionsweltmeister. Eine Ausgabenbremse könnte hier Wunder wirken. Sitzt das Geld nicht mehr so locker, müssen Interessen abgewogen werden. Zu klären wäre auch, was die Allgemeinheit von der Landwirtschaft will: offene Kulturlandschaft, Erosionsschutz, Wasserrückhalt? All das gehört ausgeschrieben, statt pauschal gefördert. Den Zuschlag bekommt, wer die Leistung am besten und günstigsten erbringt. Das wäre gut für die Landwirtschaft – und für jene, die sie jedes Jahr aufs Neue retten.
Zum Autor:
Hanno Lorenz ist Ökonom beim wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria.
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