Europa: Spielball statt Spieler

Europa lässt sich von Trump schon wieder auseinanderdividieren. Doch die Prinzipien, die wir jetzt verraten, werden fehlen, wenn der längst weg ist.
Konrad Kramar
US-Präsident Trump besucht Schottland.

Donald Trump hält herzlich wenig von Europa, seinen Institutionen und seinem Führungspersonal. Ob es nun die persönliche Antipathie gegenüber Ursula von der Leyen ist, seine Geringschätzung der europäischen NATO-Partner und ihrer militärischen Kapazitäten oder auch seine völlige Ignoranz gegenüber der EU, deren Existenz er nur als Störfaktor wahrnimmt: Der US-Präsident hat aus all dem nie ein Hehl gemacht. In seinem Weltbild, in dem eine Handvoll Großmächte um die Vorherrschaft rittern, ist kein Platz für Institutionen und ihre oft sperrigen Regeln.

Porträt eines Mannes mit Bart vor dem Hintergrund des „Kurier“-Logos.

Also teilt er Europa lieber in Freund und Feind und dividiert es so auseinander: Stärkt Störenfried Viktor Orbán den Rücken, lässt sich von Friedrich Merz oder Emmanuel Macron hofieren und droht dem spanischen Sozialisten Pedro Sánchez offen mit einem wirtschaftlichen und politischen Rachefeldzug für dessen mangelnde Unterstützung im Iran-Krieg.

Und Europa versucht verzweifelt einen Bruch zu kitten, obwohl der mit Trump wohl nicht mehr zu kitten ist. Ob nun NATO-Chef Mark Rutte Trump Honig ums Maul schmiert, in Paris, London oder Berlin voreilig eine Marinemission in den Persischen Golf geplant wird, oder sich die EU-Führung beschämend um offene Worte zu Israels Bruch des Völkerrechts und der Menschenrechte drückt: Immer geht es darum, den Herren im Weißen Haus nur ja nicht zu verärgern, damit er nicht wieder mit Zöllen um sich schlägt, den Austritt aus der NATO androht oder der Ukraine auch den letzten militärischen Beistand entzieht.

Europa gewinnt Trump so nicht als verlässlichen Bündnispartner, stattdessen untergräbt es den eigenen, ohnehin wackeligen Gemeinschaftssinn. Doch Trump kann man nur geschlossen und mit klar formulierten Prinzipien entgegentreten. Das hat beim Konflikt um Grönland funktioniert, als der US-Präsident begreifen musste, dass er sich europäisches Territorium nicht im Handstreich holen kann, oder im Streit um Zölle, als Brüssel klare Gegenmaßnahmen auf den Verhandlungstisch legte.

Klare Worte und klare Handlungen

Es braucht also klare Worte und wenn nötig auch klare Handlungen vonseiten Europas: Man steht auf der Seite des Völkerrechts, auch wenn der vermeintliche Verbündete in Washington es bricht, man unterstützt die Ukraine, auch wenn der mit Putin und dessen Eroberungsplänen charmiert, man hält sich in Handelsfragen an internationales Recht und nicht an das Recht des Stärkeren.

Nicht alle Glaubwürdigkeit verspielt

Es wird eine Zeit nach Trump geben, mit einem neuen US-Präsidenten, der auch das Verhältnis zu Europa neu definieren muss. Es wäre gut, hätte Europa bis dahin nicht alle seine Prinzipien und damit seine Glaubwürdigkeit leichtfertig über Bord geworfen. Genau die wird es dann nämlich brauchen.

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