© EPA/ANDRE COELHO

Leitartikel
01/31/2021

Drohender Vertrauenskollaps in Politik

Die Menschen verlieren global das Vertrauen in die Eliten. Nur der Wirtschaft traut man noch Lösungskompetenz zu

von Wolfgang Unterhuber

Nach einer Umfrage der US-Kommunikationsagentur Edelman glauben mehr als die Hälfte von rund 33.000 Befragten in weltweit 28 Ländern, dass sie von den Eliten aus Politik, Wirtschaft und Medien bewusst belogen werden. Die Welt erlebt vor dem Hintergrund der Covid-Krise gerade einen Informationsbankrott, sagte dazu Agenturchef Richard Edelman dem deutschen Handelsblatt und auf CNN.

Edelman hat aber auch noch eine andere Botschaft „Es gibt weltweit einen dramatischen Umschwung des Vertrauens: weg von den Regierungen und hin zur Wirtschaft.“ Trotz des allgemein wachsenden Misstrauens in die Eliten, sei die Wirtschaft als Institution der Teil der Gesellschaft, dem die Menschen noch am ehesten etwas zutrauen.

Österreich war bei dieser Umfrage mangels internationaler Wichtigkeit übrigens nicht dabei. Ob hierzulande das Vertrauen in die Wirtschaft so hoch ist, darf wegen Wirecard und anderer Skandale bezweifelt werden. Aber es ist anzunehmen, dass das Vertrauen in die heimische Politik gegenwärtig auch nicht gerade neue Höhen erklimmt. Die Gründe sind hinlänglich bekannt. Regierung und Opposition versuchten zu lange die Krise für ihre Umfragewerte zu nützen.

Dazu reihen sich nicht nachvollziehbare Lockdown-Entscheidungen wie das Offenbleiben von Skigebieten bei gleichzeitig geschlossenen Tiergärten. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass eine oder mehrere Gruppen bevorzugt werden, zerbricht die Solidarität. Deshalb hat in Österreich der erste Lockdown funktioniert, weil alle Gesellschaftsschichten gleich betroffen waren. Der jetzige Lockdown steht nur noch auf dem Papier (abgesehen von den geschlossenen Geschäften, Hotels, Schulen, Gaststuben, etc.). Fazit: Die Solidarität ist verloren gegangen.

Wie das heute bei den aktuellen Entscheidungen berücksichtigt werden wird, ist offen. Polit-Elite und Experten laufen jedenfalls Gefahr, in eine Parallelwelt abzugleiten, während sich die Bevölkerung ihre eigene Lockdown-Realität schafft. Politiker und die hierzulande gefühlt tausend Expertinnen und Experten sind eben keine Manager. Sie können allenfalls kurzfristige Krisen meistern, langfristige wie die Covid-Krise nicht. Unternehmer und Manager lernen das hingegen im Alltagsgeschäft. Ein Martin Kocher als Arbeitsminister war da sicher ein gutes Signal.

Richard Edelman fordert die Wirtschaftslenker auf, in die breite Öffentlichkeit vorzurücken und gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen. Sei es zu Covid, aber auch zum Klimawandel und zu sozialen Ungleichheiten. Man muss Edelman zustimmen. Ansonsten droht nämlich ein globaler Vertrauenskollaps.

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