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Meinung
08/20/2021

Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf diese Zahlen

Selbst Experten bekommen kaum Daten zu Geimpften und Ungeimpften in Spitälern. Das kann's nicht sein.

von Laila Docekal

Da fragt man sich, ob gewisse Entscheider den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Auf der einen Seite rätseln sie darüber, wie die Impfbereitschaft erhöht werden kann. Auf der anderen Seite muss man ihnen die stärksten Argumente aus der Nase ziehen: Fast neun von zehn Covid-Patienten in Wiener Spitälern sind ungeimpft. Wer dadurch nicht überzeugt ist, dass die Impfung sinnvoll ist, dem ist nicht mehr zu helfen.

Wer solche Zahlen nicht laufend laut kommuniziert, spielt den Impfgegnern in die Hände. Denn die schüren inzwischen munter weiter Ängste vor Nebenwirkungen und spielen seltene Impfdurchbrüche oder einzelne Fälle von Geimpften im Spital so hoch, dass sie Unentschlossene verunsichern und die Impfung unwirksam erscheinen lassen. Immerhin hat sich ein Drittel der Bevölkerung noch nicht einmal den ersten Stich geholt.

Fakt ist, bei über 5 Millionen vollständig Geimpften in Österreich gab es bisher 2871 Impfdurchbrüche. Das heißt, etwa jeder 1.700ste Geimpfte hat sich trotz Impfung so angesteckt, dass er Symptome hat. Damit kommen wir zum nächsten Zahlengeheimnis, das Verschwörungstheoretikern Öl ins Feuer gießt: Vollständig Geimpfte auf Intensivstationen. Einzig das Land Tirol schickt täglich (!) eine Information aus, wo neben den Infektions- und Hospitalisierungszahlen auch der Anteil der Vollimmunisierten ausgewiesen wird (auf der Normalstation aktuell vier von 20, auf der Intensivstation ist keiner der sieben Covid-Patienten vollimmunisiert). Oberösterreich und die Steiermark haben nun angekündigt, nachzuziehen.

Diese Zahlen interessieren nicht nur die Bevölkerung, die seit über eineinhalb Jahren ihren Lebensalltag danach ausrichten muss. Sie sind auch für die Experten wesentlich, die auf Basis solcher Zahlen Empfehlungen für weitere Maßnahmen geben müssen. Absurd, dass sie diese Daten gar nicht oder oft sehr spät bekommen. Das kann’s nicht sein.

Wie auch immer es weiter geht und egal, welche Maßnahmen im Herbst auf uns zukommen: Die Bevölkerung will und muss verstehen, auf welchen Zahlen diese Entscheidungen beruhen. Im Idealfall wurden diese dann auf Basis von österreichischen Daten getroffen und nicht anhand internationaler Vergleiche, weil man es hier nicht geschafft hat, die Zahlen rauszurücken.

laila.docekal@kurier.at

 

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