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Leitartikel
09/12/2021

Das 1-2-3-Ticket ist entzaubert

Es ist das Verdienst von Gewessler, dass beim Öffentlichen Verkehr etwas weitergeht. Ihr 1-2-3-Ticket bleibt aber nur ein Wahl-Gag.

von Martin Gebhart

Es ist das, was sich Politiker und noch mehr deren Spin-Doktoren wünschen: ein großes Thema, das mit einer einfachen Botschaft vermittelt werden kann. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler hat mit dem 1-2-3-Ticket so ein Thema aus dem Wahlkampf in ihre Regierungsarbeit bringen können.

Es hat auch von Anfang an gut geklungen: ein Euro pro Tag für ein Jahresticket in einem Bundesland. Also könnten um 365 Euro alle Öffentlichen Verkehrsmittel dort ein Jahr lang genutzt werden. Für zwei Bundesländer wären 730 Euro vorgesehen, mit dem Dreier-Ticket soll man dann um 1.095 Euro in ganz Österreich öffentlich herumreisen können.

Die Botschaft, die Leonore Gewessler im Jahr 2020 bewusst am Rande einer Pressekonferenz über die Rettung der Fluglinie AUA verkündete, schlug ein. Viele Pendler rechneten sofort nach, was dieser Dreier-Schritt für sie bedeutet. In den meisten Fällen natürlich eine Verbilligung der Öffi-Tickets. Vielfach auch eine Vereinfachung der oft komplizierten Zonenmodelle der Verkehrsverbünde. Verkehrsexperten runzelten aber schon damals die Stirn ob dieser Einfachheit. Unter anderem mit dem Gegenargument, dass da etwas nicht zusammenpasse, wenn für das kleine Vorarlberg ein Jahresticket genauso 365 Euro kosten soll wie für das größte Flächenbundesland Niederösterreich. Beim Zweier-Ticket taten sich gleich noch mehr praktische Fragen auf.

Seit wenigen Wochen ist klar, dass es das 1-2-3-Ticket in dieser Form nicht geben wird. Sechs Bundesländer haben sich zwar mit Leonore Gewessler auf ein österreichweites Öffi-Jahresticket um 1.095 Euro geeinigt; der Rest im Osten wird auch noch folgen, beim Einser-Ticket haben sie aber meist höhere Preise eingesetzt. Die angepeilten 365 Euro wird es auch weiterhin nur in Wien kosten. Da war die Rechnung ein Euro pro Tag aber schon vor Amtsantritt der Ministerin eingeführt gewesen. Außerdem mehren sich in der Bundeshauptstadt die Stimmen, den Preis zu erhöhen, weil enorm viel Geld aus der Stadtkasse zugeschossen werden muss.

Im Ministerium spricht man mittlerweile nur noch vom Klimaticket, die 1-2-3-Stufen wurden still und heimlich entsorgt. Das ist ein gewisser Schönheitsfehler in dem großen Vorhaben der Ministerin. Für ihre Grundidee, den Öffentlichen Verkehr österreichweit billiger zu machen, schafft sie dennoch einen bemerkenswerten Meilenstein, wenn dann alle Bundesländer beim Dreier-Ticket mit dabei sein werden. Zu einem richtigen Meisterwerk wird das allerdings erst, wenn der Öffentliche Verkehr in ganz Österreich eine wirklich attraktive Alternative zum Auto wird. Aber nicht nur in den Ballungsräumen, wo das nicht das ganz große Kunststück ist, sondern in den vielen ländlichen Regionen.

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