Abschreckung ist besser als Krieg
Die Herren waren irritiert, um nicht zu sagen: ungehalten. Am Montag wandten sich Vertreter von Miliz, Industrie und Rotem Kreuz an die Öffentlichkeit, und ihre Botschaft war simpel: Bei der Wehrpflicht „brennt der Hut“, es hat etwas zu passieren – jetzt und nicht irgendwann.
Man muss es – leider – auch an dieser Stelle wiederholen: Vier Monate sind vergangen, seit eine parteiübergreifende Kommission recht ausgefeilte Vorschläge zur Reform von Wehr- und Zivildienst vorgelegt hat. 2.700 Arbeitsstunden von 23 Expertinnen und Experten wurden zu einem fast 100 Seiten zählenden Grundlagenpapier verdichtet.
Das politische Ergebnis zur Stunde bleibt dennoch eine Nullmeldung. Hält die Regierung die Vorschläge der Experten für unausgegoren? Fehlt ihr – aus welchen Gründen auch immer – der Mut, die Empfehlungen umzusetzen? Nähere Auskünfte darüber sind schwierig.
Für Militär, Rotes Kreuz, Zivilschutzverbände und Experten ist die Sache freilich ziemlich einfach: Wehr- und Zivildienst müssen deutlich verlängert werden.
Nicht, weil man die jungen Menschen ärgern oder ihnen wertvolle Lebenszeit stehlen will, sondern weil die Ausbildung in der aktuellen Form fahrlässig ist.
Im Prinzip geht es darum, dass Österreichs Grundwehrdiener in sechs Monaten zwar eine minimale Basisausbildung erhalten. Das, was bei einer Mobilmachung zählt, nämlich im großen Stil mit anderen Verbänden zu agieren, können sie aber noch nicht. Um eine Analogie zum Fußball zu bemühen: Wären Grundwehrdiener Kicker, könnte man sagen: Sie kennen die Grundregeln, sie können laufen, passen und köpfeln. Wie aber die Mannschaft zu agieren hat, damit sie Tore schießt, Spiele gewinnt oder gar in einem WM-Turnier besteht, davon haben die jungen Herren zu wenig Ahnung – weil sie das heute kaum trainieren.
Übelmeinende sehen in der Verlängerung der Wehrpflicht wie im Kauf von neuen Waffensystemen primitive Kriegstreiberei. Doch das ist zu simpel gedacht. „Wir investieren nicht in den Krieg, wir investieren in die Abschreckung“, hat die Forschungsdirektorin am NATO Defense College, Florence Gaub, jüngst in Wien gesagt.
Denn: Schurkenstaaten scheren sich im Ernstfall nicht um Völkerrecht, Verfassung oder Neutralität. Sie prüfen, was Militär und Gesellschaft eines Landes können – und entscheiden pragmatisch. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn uns die Demokratiefeinde zutrauen, unsere Art zu leben mit Kraft zu verteidigen, bleibt Österreich der Worst Case im Idealfall erspart. Dafür gilt es freilich die Voraussetzungen zu schaffen. Und eine davon ist: Die Grundwehrdiener müssen bestmöglich ausgebildet sein.
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