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Meinung
08/24/2019

Beim Klimaschutz mehr Sachlichkeit, bitte

Einiger politische Protagonisten pendeln in dieser für die Menschheit existentiellen Problematik zwischen Chuzpe und Populismus.

von Walter Friedl

Endlich hat Klimaschutz Konjunktur. Doch wie einige Protagonisten damit umgehen, pendelt zwischen Chuzpe und Populismus. Da meinte Brasiliens Präsident Bolsonaro, NGOs hätten möglicherweise die Brände im Amazonas gelegt – aus Rache für Subventionskürzungen. Seine Regierung befinde sich im Krieg mit ihnen. Obwohl er später zurückruderte – geht’s noch?

In Wahrheit befindet sich seine Regierung im Krieg mit der Natur. Denn die grüne Lunge der Welt, die ein Fünftel des global verfügbaren Sauerstoffs produziert, sieht Bolsonaro bloß als Ressourcen-Pool zur Steigerung des Wirtschaftswachstums. Großgrundbesitzer nahmen die Steilvorlage an und fackeln den Regenwald in neuem Rekordtempo ab.

Das hat tatsächlich Konsequenzen für den gesamten Planeten. Da hat der französische Präsident Macron schon recht, wenn er meint: „Unser Haus brennt.“ Er will die Causa auf die Agenda des G7-Gipfels setzen. Gut so, im Prinzip.

Aber warum gerade jetzt? Seit Jahr und Tag weisen Experten auf die Problematik hin – kaum jemand reagierte. Und nun, da Klimaschutz eben Konjunktur hat, ergrünen plötzlich alle. Auch eine Form von Populismus. Wenn morgen ein anderes populäres Thema aufpoppt, könnte Macron schnell wieder weg sein. Mehr Sachlichkeit ist gefragt, die Problematik ist zu gravierend für politisches Taktieren. Wenn Macron Lösungen will, muss er mit Bolsonaro reden und sollte ihn noch schnell zum G7-Gipfel einladen.