Trump hat dieses Feuer selbst gelegt
Als durch den Ballsaal des Washingtoner Hilton-Hotels gedämpfte Schüsse hallten, wusste Donald Trump sofort Bescheid. „Ich habe das schon einige Male gehört“, sagte der US-Präsident später. Es war bereits der dritte Attentatsversuch auf Trump in den vergangenen zwei Jahren. Genau hier liegt das Problem.
Politische Gewalt ist in den Vereinigten Staaten traurige Tradition. Kurz nach dem Bürgerkrieg fiel mit Abraham Lincoln der erste US-Präsident einem Attentat zum Opfer. Während der Bürgerrechtsbewegung in den 1960er-Jahren wurde erst John F. Kennedy, dann die schwarzen Aktivisten Malcolm X und Martin Luther King Jr. ermordet.
Erst ab den 1980er-Jahren erlebte das Land so etwas wie eine Ruhephase. Was zum einen an der im Vergleich weniger polarisierenden politischen Debatte liegen mag, aber auch an der enormen Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen – denn die Zahl der Schusswaffentoten stieg auch in dieser Zeit unentwegt, 2025 lag sie bei 14.600.
Heute ist auch die politische Gewalt zurück, in beiden politischen Lagern, und das mit einer Brachialität wie lange nicht mehr: Ihr fiel der rechte Aktivist Charlie Kirk im September 2025 ebenso zum Opfer wie die demokratischen Abgeordneten Melissa Hortman und John Hoffmann, die drei Monate zuvor in ihren Häusern in Minnesota erschossen wurden. Neben Trump überlebte auch die Demokratin Nancy Pelosi 2022 einen Attentatsversuch.
Um dieses Lauffeuer einzufangen, bedarf es einer Abrüstung der Worte
Zu dieser Gewaltwelle in den letzten Jahren hat Trump selbst entscheidend beigetragen. Seine Rhetorik ist seit Jahren provokant, aggressiv, roh; sie folgt dem immer gleichen Muster: „Wir gegen euch“. Politische Widersacher sind für ihn „Feinde“, staatliche Institutionen sind Teil eines „Deep State“, der sich gegen ihn verschworen hat, demokratische oder juristische Mechanismen sind „manipuliert“, wenn sie nicht so wirken, wie er sich das wünscht.
Diese Sprache bleibt nicht folgenlos. Sie verschiebt Grenzen, sie spaltet. Trump senkt so die Hemmschwellen bei jenen seiner Anhänger, die ohnehin gewaltbereit sind – wie beim Sturm auf das Kapitol 2021 – und hetzt dieselben auf der anderen Seite des politischen Spektrums gegen sich auf.
Um dieses Lauffeuer wieder einzufangen, bedarf es einer Abrüstung der Worte. Die USA dürsten nach wieder verbindenden Ansprachen ihres Präsidenten. Samstagnacht fand Trump, wohl noch im Schock des Erlebten, den richtigen Ton. Amikal dankte er den anwesenden Journalisten für ihre „verantwortungsvolle Berichterstattung“ und gab zu, er hatte eigentlich eine „unangemessene Rede“ geplant. Vielleicht, so sagte er, könne er „nie wieder so rüpelhaft auftreten“ wie zuvor.
Man kann nur hoffen, dass er sich selbst daran hält. Denn rückfällig wurde er in der Vergangenheit schon oft.
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