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Meinung
07/14/2020

Abgeschrieben wurde Trump schon oft - zu voreilig, auch diesmal?

Der US-Präsident mag derzeit politisch mit dem Rücken zur Wand stehen, doch dann hat er schon immer am besten gekämpft

von Konrad Kramar

Die Corona-Krise eskaliert, der Druck, seine Steuerunterlagen endlich herauszurücken, wächst und Herausforderer Joe Biden führt in Umfragen zweistellig: Knapp vier Monate vor den US-Präsidentschaftswahlen scheint Präsident Trump von einer Wiederwahl weit entfernt. Schon wächst bei den US-Demokraten die Lust auf einen Kantersieg, der auch republikanische Hochburgen wie Texas zu Fall bringen könnte. Schon drängen sich bei den Republikanern potenzielle Nachfolger für Trump ins Bild, die ein Wahldesaster einkalkulieren.

Doch wer solche Rechnungen jetzt schon anstellt, macht sie ohne den Wirt. Trump gibt sich gerne als Siegertyp, doch seine Biografie erzählt eine ganz andere Geschichte: die eines Überlebenskünstlers, der sich aus den ausweglosesten Situationen herausmanövriert hat, dank skrupelloser Härte und der Bereitschaft, auch aus der Defensive vorbehaltlos in den Angriff zu gehen.

Schon Trumps wirtschaftliche Erfolgsgeschichte ist in Wahrheit die eines Bankrotteurs, der soweit abgewirtschaftet hatte, dass ihm keine US-Bank mehr Geld geben wollte. Trump aber öffnete Türen und Geldschleusen in Moskau und in anderen Republiken der zerfallenen Sowjetunion. Sein umstrittenes Nahverhältnis zu Russland ist ein Erbe dieser finanziellen Kapriolen am Rande von Legalität und jenseits aller politischen Verantwortung.

Als Präsidentschaftskandidat lag Trump auch 2016 schon klar im Rückstand, als das Band mit seinen obszönen Kommentaren über den Umgang mit Frauen auftauchte. Damit schien endgültig alles verloren. Ein paar Tage später, war das Thema vom Tisch. Trump hatte es tatsächlich geschafft, wieder Bill Clintons sexuelle Verfehlungen und Hillary Clintons eMails in den Vordergrund zu spielen. Die Folgen sind bekannt.

Die Geschichte vom Überlebenskünstler Trump ließe sich noch lange fortsetzen. Die Frage aber, die sich jetzt aufdrängt, ist, zu welchen Mitteln der Präsident in diesem Herbst greifen könnte, um sein drohendes Aus abzuwenden.

So könnte er die Corona-Krise weiter eskalieren lassen, damit sich die Bürger aus Angst zuletzt doch hinter dem Anführer im Weißen Haus versammeln. Die Krise könnte auch dazu dienen, gerade Minderheiten wie den Afroamerikanern den Zugang zu Wahl zu erschweren, da sie traditionell mehrheitlich für Demokraten stimmen. Auch dass sich Trump wie schon beim letzten Mal ausländischer Hilfe bedienen könnte, um seinen Gegner anzuschwärzen, ist bereits Thema in politischen Kreisen in Washington. Sicher ist nur, Trump und seine Berater wissen um all diese Möglichkeiten und werden, wenn es darauf ankommt, nicht zögern sie einzusetzen. Der Überlebenskünstler Trump bleibt unberechenbar und damit ein gefährlicher Gegner.

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