Weiße Büste mit Rissen, die von roten und grünen Gummibändern zusammengehalten wird.
Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Migräne & Co: Warum Frauen und Männer anders leiden

Manche erleben sie selten, andere regelmäßig: So gut wie jeder Mensch kennt Kopfschmerzen – trotzdem werden sie oft missverstanden.

Da die Schmerzrezeptoren fehlen, kann das Gehirn eigentlich keinen Schmerz empfinden – und trotzdem: Es pocht und hämmert im Kopf. Manchmal ist der innere Presslufthammer so penetrant am Werk, dass man keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.

In Wirklichkeit entstehen die Kopfschmerzen überwiegend in den Strukturen, die das Gehirn umgeben: etwa in Blutgefäßen, Hirnhäuten sowie Nerven und Muskeln des Kopf- und Nackenbereichs. Werden diese Strukturen gereizt oder überlastet, senden Schmerzfasern – vor allem über den Trigeminusnerv – Signale an das Gehirn, das diese als Schmerz wahrnimmt.

Pochendes Warnsignal 

Generell übernehmen Schmerzen oft eine Schutzfunktion im Körper. Sie zwingen uns dazu, auf mögliche Überlastungen und Störungen zu reagieren. Kopfschmerzen können z.B. auf Stress oder emotionale Überforderung, Flüssigkeits- oder Schlafmangel, Muskelverspannungen oder Infektionen hinweisen. Eine Reizüberflutung durch Lärm, Gerüche oder Licht ist ebenfalls möglich. In diesen Fällen ist Kopfweh ein Warnsignal: Etwas im System Körper ist aus dem Gleichgewicht geraten und benötigt Aufmerksamkeit. Diese Art von Schmerz lässt sich häufig gut vorbeugen – etwa durch einen regelmäßigen Schlafrhythmus, ausreichend Flüssigkeit, Bewegung, einen ergonomischen Arbeitsplatz, Pausen bei Bildschirmarbeit und gezielten Stressabbau. Bei Infekten wie der Grippe oder Erkältungen sind Ruhe und Erholung wichtig. Nicht jeder Schmerz ist aber eine Folge des Lebensstils.

Girl reflected in broken mirror

Frauen sind deutlich häufiger von Migräne betroffen als Männer.

©Getty Images/KatarzynaBialasiewicz/istockphoto.com

Treten die Schmerzen plötzlich und sehr stark auf, sind „anders als sonst“ oder halten über Tage an, sollten die Alarmglocken schrillen. Gleiches gilt, wenn neurologische Symptome wie Sehstörungen, Lähmungen oder Sprachprobleme hinzukommen oder Fieber, Nackensteifigkeit bzw. Verwirrtheit auftreten. In diesen Fällen kann ein ernsthafter medizinischer Hintergrund vorliegen, der dringend ärztliche Abklärung benötigt. Kopfschmerzen nach einem Unfall sind hier ebenfalls ernst zu nehmen.

Migräne: Frauensache? 

Kopfschmerz ist also nicht Kopfschmerz – es gibt mehr als 200 verschiedene Unterarten. Zu den komplexesten neurologischen Erkrankungen zählt die Migräne. Von Außenstehenden wird sie immer noch gerne als „besonders starke Kopfschmerzen“ abgetan. Für Betroffene ist sie aber ein vielschichtiges Geschehen, das den gesamten Körper und Alltag beeinflusst.

Im Zentrum steht eine gestörte Verarbeitung von Schmerz- und Reizsignalen im Nervensystem. Dabei werden Botenstoffe freigesetzt, die Schmerzprozesse verstärken und eine Art „Schmerzspirale“ auslösen können. Typisch für Migräne ist ihr Verlauf in Phasen: Erste Warnzeichen sind Dinge wie Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen, manchmal entwickelt sich eine sogenannte Aura mit Sehstörungen. Erst dann folgt der eigentliche Schmerz – oft pulsierend und begleitet von Übelkeit und starker Lichtempfindlichkeit. Da selbst normale Reize zur Belastung werden, müssen sich Betroffene häufig komplett zurückziehen. Diese akute Phase dauert meist zwischen vier und 72 Stunden. Die Behandlung von Migräne ist hochgradig individuell und erfordert meist eine Kombination aus Medikamenten und Lebensstilanpassungen. Interessanterweise sind Frauen deutlich häufiger betroffen, da hormonelle Schwankungen, vor allem des Östrogenspiegels, das Nervensystem empfindlicher für Schmerzreize machen können.

What is your stress trying to tell you?

Obwohl selten, sind Clusterkopfschmerzen besonders bei Männern vergleichsweise häufig.

©Getty Images/Cecilie_Arcurs/istockphoto.com

Clusterkopfschmerzen: Männersache?

Bei Männern tritt Kopfweh insgesamt seltener auf, aber sie sind im Vergleich zu Frauen etwa zwei- bis viermal häufiger von Clusterkopfschmerzen betroffen. Typisch sind extrem starke, meist einseitige Schmerzattacken rund um Auge und Schläfe, die mehrmals täglich auftreten können und oft von tränenden Augen, einer laufenden Nase oder einem hängenden Augenlid begleitet werden. Im Gegensatz zur Migräne halten die Attacken meist nur 15 Minuten bis drei Stunden an. Warum Männer häufiger betroffen sind, ist nicht vollständig geklärt. Vermutet wird, dass biologische Unterschiede im Gehirn, insbesondere im Hypothalamus, sowie hormonelle und genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Kopfschmerzen sind damit weit mehr als ein lästiges Alltagsproblem – sie verdienen Aufmerksamkeit, ernsthafte Einordnung und im Zweifel eine fachärztliche Abklärung.

Kommentare