Meine Bibliothek: Verena Kasper-Eisert
Die Direktorin der Heidi Horten Collection will mit ihrem Museumsprogramm Freude bereiten. Welche Bücher ihr Freude machen, und was sie beim Lesen lernt.
Vor Kurzem ließ die ehemalige Chefkuratorin des MuseumsQuartier Wien vor der „Heidi Horten Collection“ Gottfried Bechtolds legendären Betonporsche aufstellen – eine rund 16 Tonnen schwere Skulptur. Und zwar auf dem sogenannten Direktionsparkplatz. Für dieses Kunstwerk stellt die Neo-Direktorin des Privatmuseums ihren Parkplatz gerne zur Verfügung – ins Büro kommt sie zu Fuß. Auch beim Lesen hält es Kasper-Eisert eher unkompliziert. Sie liest dort, wo sich gerade ein Moment der Ruhe ergibt: am Schreibtisch, auf dem Sofa, im Bett, Zug oder Liegestuhl. „Lesen begleitet mich privat wie beruflich. Privat bedeutet es, Zeit für mich selbst zu haben – abzuschalten, einzutauchen, Freude zu erleben, aber auch Neues zu lernen. Besonders gerne lese ich Romane, die gesellschaftliche, politische oder historische Themen verhandeln und diese anhand einzelner Lebensgeschichten erfahrbar machen“, so Kasper-Eisert.
Eine Bibliothek, voll mit Magazinen, Ausstellungskatalogen, Kunstbüchern und kunsthistorischer Literatur
©kurier/Barbara NidetzkySchlechte Bücher wirft sie manchmal weg – um zu verhindern, dass jemand anderes seine Zeit damit vergeudet. Beruflich stehen Magazine, Ausstellungskataloge, Kunstbücher, kunsthistorische und kunsttheoretische Literatur auf ihrer Leseliste. Privat hat sie Dutzende Lieblingsbücher.
Somerset Maughams „Der Menschen Hörigkeit“
©kurier/Barbara NidetzkyEtwa William Somerset Maughams „Der Menschen Hörigkeit“. „Dieses Buch habe ich als junge Frau gelesen, und liebe es bis heute. Maugham erzählt von Sehnsucht, Selbsttäuschung und der Suche nach einem selbstbestimmten Leben.“ Ihr Verständnis von Identität, Herkunft, Migration und gesellschaftlicher Ungleichheit schärfte die Kunsthistorikerin wiederum mit Chimamanda Ngozi Adichies Buch „Americanah“, die darin persönliche Geschichten mit den großen Fragen der Zeit verbindet.
Chimamanda Ngozi Adichies „Americanah“
©kurier/Barbara NidetzkyEin Buch ließ die smarte Museumsdirektorin überhaupt sprachlos zurück: der schmale Band „Die Tagesordnung“ von Éric Vuillard. Darin wird die Vorgeschichte des Nationalsozialismus und des Anschlusses Österreichs nicht als historische Erzählung, sondern anhand weniger, konkreter Ereignisse erzählt.
„Die Tagesordnung“ von Éric Vuillard
©kurier/Barbara Nidetzky„Gerade durch den Blick auf die kleinen Gesten, die Eitelkeiten, das Wegschauen und die Interessen der Mächtigen wird spürbar, wie Geschichte tatsächlich gemacht wird.“ Kasper-Eiserts Geschichte geht im Herbst mit einer Personale der Philosophin Elisabeth von Samsonow in der Heidi Horten Collection weiter.
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