Madonna: Wie sich das Mode-Chamäleon immer wieder neu erfand
Madonna mit 67, bei einem Konzert in New York City.
Die neue Madonna trägt einen lila Schleier, Strümpfe, die bis zu den Oberschenkeln reichen, und eine Korsage aus Spitze. In diesem Look bewirbt die 68-jährige Sängerin derzeit ihr Album „Confessions II“ (der KURIER berichtete), ihr erstes seit sieben Jahren. Madonna Louise Ciccone ist also zurück im Rampenlicht, und damit auch ihr Style, der die Popkultur der vergangenen vier Jahrzehnte in ähnlichem Ausmaß geprägt hat wie ihre Musik.
Als die US-Amerikanerin mit italienischen Wurzeln Anfang der 80er-Jahre die internationale Musikszene eroberte, unterschied sie sich bewusst vom makellosen Glamour vieler Popstars. Spitzenhandschuhe, Lederjacken, Rosenkränze und Kreuzketten wurden zu ihren Markenzeichen, Provokation zum (Pflicht-)Programm.
Mit Kreuz und Kegel(-BH)
Besonders das Spiel mit religiösen Symbolen wusste Madonna, die aus einem erzkatholischen Elternhaus stammt, zu perfektionieren. Als sie aufgrund einer Bühnenperformance mit Dornenkrone und Kreuz sogar vom Vatikan gerügt wurde, lud sie den Papst zu einem ihrer Konzerte ein. Manchmal müsse man eben „dick auftragen, damit die Leute aufwachen“, beschrieb sie einmal ihr Stil-Credo.
Unter allen Designern, die sie im Laufe ihrer Karriere hofierten, sticht einer besonders hervor: Jean Paul Gaultier schneiderte das legendäre Korsett mit Kegel-BH, in dem Madonna 1990 bei der „Blonde Ambition“-Tour Modegeschichte schrieb. „Als Madonna mich 1989 zum ersten Mal anrief, dachte ich, mein Assistent scherzte“, erinnerte sich Gaultier 2001 in einem Interview mit der New York Times. Er sei ein großer Fan gewesen – und sie von ihm. „Madonna mag meine Kleidung, weil sie das Männliche und das Weibliche verbindet“, sagte er über den ikonischen Look.
Denn in Schubladen wollte sich die zweifach Geschiedene (Sean Penn, Guy Ritchie) nie stecken lassen. In der prüden Reagan-Ära zeigte sie viel nackte Haut, später gab sie sich zugeknöpfter, androgyner – und fiel damit wieder aus der Reihe. Lange vor Beyoncé machte sie die Cowgirl-Ästhetik glamourös. Beim Schaulaufen der Met Gala lässt sich die sechsfache Mutter (zwei leibliche, vier adoptierte Kinder) übrigens nie von Liebhabern eskortieren, sondern von dem jeweiligen Designer ihres Looks.
Selbstbestimmung
Im Kern ging es Madonna nie um spektakuläre Outfits, sondern um die Deutungshoheit über den eigenen Körper. Entsprechend groß war die Aufregung, als sie vor einigen Jahren mit sichtbar verändertem Gesicht auftrat. Madonna als Opfer des Jugendwahns? „Ich bin sicher nicht gegen Schönheitsoperationen“, sagte sie dazu bereits 2012 dem Mirror. „Aber ich bin dagegen, darüber diskutieren zu müssen.“
Auch in ihrem aktuellen Musikvideo – eher ein Kurzfilm mit berühmten Gastauftritten – scheint Madonna die Gesetze des Alter(n)s auszuhebeln. Netzstrümpfe, platinblondes Haar, Hotpants und, natürlich, eine funkelnde Korsage von Dolce & Gabbana – mit fast 70 wirkt diese hyperweibliche Brachialerotik wiederum wie ein Tabubruch. Es wäre nicht Madonna, wenn dieser nicht gewollt wäre.
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