Tour d’Azur: Parfums, Cuisine und Picassos Erbe

Eine Gruppe von Menschen mit mehreren Hunden am Strand entlang des Meeres.
Das Blau von Himmel und Meer, die Grüntöne des Hinterlands, das angenehme Klima, der Blütenduft. Die Côte d’Azur hat Künstler auf viele Arten inspiriert – die man Ort für Ort selbst erkunden kann

Auf der Terrasse des Palais de Congrès im Städtchen Grasse werden kleine kulinarische Kunstwerke serviert. Der Blick schweift hinunter über ziegelrote Dächer der tiefer liegenden Häuser und grüne Olivenhaine bis an die Küste, wo das Meer in der Mittagssonne glitzert. Mit einem Glas Champagner wird auf das Finale der soeben absolvierten Genusstour angestoßen: „Savoir-Faire“-Kunsthandwerk an der Côte d’Azur.

Eine Karte der Côte d'Azur in Frankreich mit den Städten Cannes, Grasse, Biot und Vallauris.

Côte d’Azur

Im Herzen der französischen Riviera liegt Biot. Im Labyrinth der Gassen kann man sich zwischen den Toren aus dem 16. Jahrhundert, den trutzigen Wehrgängen und den steilen gepflasterten Gassen leicht verlaufen. Dank der hoch entwickelten Handwerkskunst hat sich Biot zum Zentrum der zeitgenössischen Glasbläserei in Frankreich entwickelt.

In einer der Glasmanufakturen erlebt man hautnah, wie die Meister ihre Kreationen mit Luftbläschen anreichern und damit ihren Kunstwerken ein unverwechselbares Aussehen verleihen. Als Besucher kann man unter Anleitung sein persönliches Werk gestalten: Mit zügigem und kräftigem Blasen schafft man einen Hohlraum im flüssig-weichen Glas, das am Ende des langen Blasrohrs hängt. Mit einer Prise Bikarbonat und einer zweiten Schicht Glas darüber bilden sich die gewünschten Luftbläschen, das spezielle Merkmal der Glaskunst von Biot.

Ein Glasbläser formt eine glühende Kugel in einer Werkstatt.

Die Kunst des Glasblasens: Unter Anleitung können Besucher persönliche Werke gestalten

Ein grüner Hügel am Rande der Altstadt wird von der Mosaikfassade des Musée Fernand Léger überragt. Das Frühwerk des französischen Bildhauers, Malers und Keramikers wird dem Kubismus zugeordnet, Picasso hat ihn nachhaltig beeinflusst. Léger hat sich zu einem bedeutenden Künstler des 20. Jahrhunderts entwickelt, anfänglich auf Landschaften fixiert, stehen später Menschen im Mittelpunkt, oft im Konnex zu Entwicklungen des Bauwesens und der Technik. Unter Pinien im Garten des Museums sind seine monumentalen Plastiken aufgebaut – eine Gruppe von Kindern treibt sich dort gerade mit ihren Lehrern herum, spielerische Begegnung mit Kunst.

Eine Gruppe von Menschen vor einem Gebäude mit einem großen Mosaik.

Die Mosaikfassade des Musée Fernand Léger strahlt vom grünen Hügel

Pablo Picasso hat fünfundzwanzig Jahre an der Côte d’Azur verbracht, seit 1948 im Hinterland von Cannes, in Vallauris. Er hat die kleine Töpferstadt durch seine Keramikarbeiten wiederbelebt. Sein Erbe ist unübersehbar, die Hauptstraße von farbenprächtigen Keramik-Blumentrögen gesäumt. Workshops sind gut besucht, Anfänger und Fortgeschrittene holen sich Tipps von Töpfer-Künstlern. Zahlreiche kreative Werkstätten und Boutiquen stehen Besuchern offen, die Stilrichtungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Es werden fantasievolle Skulpturen aus einer Melange von Materialien bis zu extravaganten alltagstauglichen Objekten angeboten. Das Highlight von Vallauris ist eine kleine, unscheinbare romanische Kapelle, das älteste Bauwerk der Stadt. Picasso hat 1952 das Tonnengewölbe mit einem seiner Hauptwerke ausgestattet, dem Gemälde La Guerre et la Paix („Krieg und Frieden“). Darauf zeigt er mit Allegorien, wie fragil Friede ist – sehr berührend und aktuell.

Nahaufnahme von weißen Jasminblüten mit Tautropfen im Garten.

Für die Parfumherstellung: Sieben- bis zehntausend Jasmin-Blüten ergeben ein Kilogramm  

Als Zentrum der Parfumindustrie gilt Grasse, viele berühmte Parfums von Rochas, Dior oder Chanel stammen von hier. Früh am Tag, wenn die Sonne flach über eine Plantage bei Grasse streicht, ist Zeit für die Ernte des duftenden Jasmin, der hier in vielen parallelen Reihen wächst. Emsige Hände legen die kleinen Blüten in Weidenkörbe. Den Sommer über eine alltägliche Arbeit, sieben- bis zehntausend Blüten ergeben ein Kilogramm. Durch das Waschen mit Extrahierflüssigkeit gewinnt man die wertvolle Basis für Parfums. Das ist aber nur eine der Dutzenden Zutaten, wie man im Parfum-Workshop erfährt. Man lernt nicht nur seinen Geruchsinn zu verfeinern, sondern auch, wie sich Düfte zu einer Neukomposition vereinen lassen. Mit Konzentration kann man tröpfchenweise „sein“ persönliches Parfum kreieren.

Kochkunst auf höchstem Niveau erlebt man auf der Anhöhe von Grasse, wo ein Anwesen aus dem 17. Jahrhundert zum Boutique-Hotel ausgebaut wurde. Passend zum exklusiven Ambiente mit stilvollen Möbeln und traumhafter Aussicht in die Bucht von Cannes, bietet der Sternen- und Hauben-dekorierte Chefkoch Jacques Chibois eine kulinarische Reise durch originelle und bunte Gerichte: gebratenes Rindfleisch und kandierte Wange, Fadennudel-Risotto mit Rüben, Gemüse mit Oliven und geräuchertem Mozzarella als Hauptgang. Haute Cuisine und guter Geschmack gehören zur Lebensart der azurblauen Küste. Ein Cocktail an Eindrücken und Genüssen, den man als Besucher gerne auf sich wirken lässt.

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