Ein Altar mit goldenem Altaraufsatz und Gemälden steht in einer Kirche mit Weihnachtsbäumen.

Geheimtipp: Touristen-Magnet St. Wolfgang im magischen Winterschlaf

St. Wolfgang ist vor allem im Sommer von Touristen bevölkert. Im Winter geht es ruhiger zu.

Das chinesische Pärchen mit der kleinen, dick vermummten Tochter wirkt verloren in den leeren Gassen. Fotografiert wird trotzdem fleißig – wann sonst bekommt man die Kirche von St. Wolfgang quasi touristenfrei vor die Linse? In der Kirche selbst ist die Stimmung an diesem kalten Wintertag magisch: Das Licht fällt durch das Südfenster auf den berühmten Hochaltar, der häufig als der schönste unter allen gotischen Flügelaltären bezeichnet wird.

Das muss man sich einmal vorstellen: 1471 bekam der Südtiroler Schnitzer und Maler Michael Pacher vom Abt des Klosters Mondsee, dem St. Wolfgang unterstand, den Auftrag, für die neu erbaute Wallfahrtskirche einen Hochaltar anzufertigen. Nur zehn Jahre später stand das zwölf Meter hohe Meisterwerk bereits am heutigen Aufstellungsort, nachdem es per Schiff und auf Wägen von Bruneck an den Wolfgangsee (der damals Abersee hieß) gebracht und von Pacher selbst aufgestellt worden war. 

Seit mehr als 550 Jahren steht der Altar an derselben Stelle, und das mehr oder weniger im Originalzustand. Denn: Die plastischen Figuren sind aus dem Holz der Zirbelkiefer gefertigt, einer besonders widerstandsfähigen Holzart – eine grundlegende Restaurierung war bis dato nicht nötig.

Angesichts der Pracht dieses Altars, der an der Schnittstelle zwischen Gotik und Renaissance entstand, könnte man fast die anderen Kunstschätze, die die Kirche birgt, übersehen – etwa die Kanzel des Meinrad Guggenbichler, ein Hauptwerk der österreichischen Barockkunst.

Arkadischer Ausblick

Tritt man aus der Kirche durch das Hauptportal hinaus, steht man in den Arkaden. An einem sonnigen Wintertag ist der Ausblick von dort grandios: Gegenüber die Berge von der Postalm bis zum Zwölferhorn, dazwischen der glitzernde See. Mehr von diesem Prachtblick gibt es, wenn man St. Wolfgang in Richtung Norden verlässt. Entlang des Sees flaniert man auf der im Winter kaum befahrenen Sackstraße nach Ried, wo ein Fußweg nach Falkenstein (hier soll der heilige Wolfgang als Einsiedler gewohnt haben) und weiter nach St. Gilgen führt. Wer an den Ausgangspunkt zurück möchte, tut dies am besten auf der oben am Hang führenden Panoramastraße. Dort gelangt man auch zu einigen Bauernhöfen und damit zur Erkenntnis, dass St. Wolfgang nicht nur Touristenort ist – auch wenn sich sogar im Winter die eine oder andere chinesische Familie hierher verirrt.

Wolfram Kautzky

Über Wolfram Kautzky

Wolfram Kautzky ist regelmäßiger Gastkolumnist für den KURIER.

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