Eine kleine Waldmusik: Wie Waldtherapie in den Julischen Alpen abläuft
Julische Alpen. Biken, wandern, laufen oder die Töne des Waldes erspüren – aktiv sein im alpinen Nordwesten Sloweniens heißt vor allem, die Schönheit der Natur zu genießen.
Wenn Maja mit ihrem Holzschlegel gegen den kräftigen Stamm der Tanne klopft, will sie keine Spechte verjagen. Oder prüfen, ob sich der Borkenkäfer auch schon in den Wäldern des slowenischen Bohinj-Tals (Wochein-Tal) breit gemacht hat. „Hör genau hin“, sagt die junge Frau mit den blonden Locken, lächelt und klopft dann auf einen anderen Baumstamm. Tatsächlich. Der Klang ist anders. Die Tanne hörte sich voller an, runder, heller.
Mindestens hundert Jahre muss die Tanne alt sein, ihre Rinde sich Richtung links drehen und genau diesen Klang haben. „Dann kann ihr Holz“, schildert Maja, die hier in den dichten Wäldern auf rund 1.400 Meter Seehöhe jeden Baum einzeln zu kennen scheint, „als Material für Musikinstrumente verwendet werden.“ Nicht für Nullachtfünfzehn-Gitarren oder -Geigen, sondern für richtig wertvolle Instrumente. Solche, die über Generationen weiter gereicht werden. „Ja selbst von der Stradivari geht das Gerücht, dass ihr Holz von hier stammen könnte“, pflichtet Majas Mann Grega bei.
Zwei Prozent der Tannen hier, unweit des Triglav-Nationalparks, sind sogenannte „Resonanzbäume“. Nicht wegen der Suche nach geeignetem Holz für Musikinstrumente führen Maja und Grega ihre Gäste in den Wald, sondern für ein besonderes „Walderlebnis“. Die Natur spüren, Äste, die sich im Wind wiegen, Vogelgezwitscher. Riechen, spüren, hören, erleben und sich gesunden lassen, von den Kräften der Natur.
Als ausgebildete Waldtherapeutin weiß Maja, dass im Wald der Stresslevel sinkt. Aber sich von ihrer Liebe für das Wunder Wald mitnehmen zu lassen, bietet mehr als nur ein Waldspaziergang: nämlich das Glück, das Wunder wieder bewusst erleben zu lernen.
Traumhafte Natur im Triglav-Naturpark in den Julischen Alpen.
©Ingrid Steiner-GashiWer es bevorzugt, sich schneller zu bewegen, kommt im slowenischen Alpenraum ebenso auf seine Kosten. Bei einer E-Bike-Tour etwa vom berühmten Skiort Kranjska Gora weg bis zum Peričnik-Wasserfall. Der ist beachtliche zweiundfünfzig Meter hoch und bietet eine Besonderheit – man kann ihn unterqueren. Wer es versucht, und das sollte man, bleibt fast ganz trocken.
Entlang der alten Bahntrasse
Der Radweg ist Teil der vor Jahrzehnten stillgelegten Bahntrasse von Tarvis bis Ljubljana. Die rund zwanzig Kilometer zwischen Kranjska Gora und dem Bergdörfchen Mojstrana führen durch spektakulär schöne Gebirgslandschaft. Das Beste daran: Menschenmassen, wie sie entlang anderer Radwege zu finden sind, müssen E-Biker hier nicht ausweichen.
E-Bike-Tour entlang eines aufgelassenen Bahntrassenweges.
©PrivatSchon mal was von den Oberkrainern gehört?
Genau, dieser spezielle Volksmusikstil stammt von hier, der slowenischen Region Gorenjska, die im österreichischen Kaiserreich Teil des Kronlandes Oberkrain war. Zahllose Wanderwege sind zu erleben, auf einigen Almen wird immer noch Käse gemacht. Viele kühle Bergseen verlocken zum Schwimmen.
Einer der schönsten von ihnen: Der vier Kilometer lange Wocheiner See (Bohinj-See): An dessen Ostufer steht ein kleines, wahrscheinlich fast tausend Jahre altes Kirchlein, Johannes dem Täufer gewidmet. Uralte Fresken aus dem 14. Jahrhundert sind darin zu finden, darunter das Bild eines kleinen, weißen Teufels oder Engel mit Zähnen. Die Bohinjer, die durch ihre Kirche führen, verweisen stets stolz auf das Bild ihres „weißen Teufels“.
Wer in die Region kommt, kann an Bled nicht vorbei. Der Kurort am gleichnamigen See, mit Burg und Auszeichnung für besonders nachhaltigen Tourismus, lockt auch Urlauber, die nicht jeden Tag auf einen Gipfel stürmen wollen. Und verführt mit seiner Bleder „Cremšnita“ – fast so berühmt wie die Sachertorte für Wien. Wer die Kalorien für dieses zwingend 7 mal 7 Zentimeter großen Stückes süßer Verführung wieder loswerden will, dem sei die 6,5 Kilometer lange Laufrunde oder auch nur ein Spaziergang rund um den See empfohlen.
info
Anreise Direktzug über Graz nach Ljubljana. Bahnverbindungen von Ljubljana oder Jesenice nach Bohinjska Bistrica (Teil der malerischen Wocheiner Bahn). Es gibt regelmäßige Bus-Verbindungen von Ljubljana über Bled nach Bohinj.
Walderlebnis Wandern, Biken und geführte Touren in den Julischen Alpen, hikeandbike.si/experiences
Unterkunft
– In Bled: Rikli Balance Hotel, sava-hotels-resorts.com/en
– In Kranjska Gora: Hotel Kranjska Gora, kranjska-gora.si/de/unterkunft/best-western-hotel-kranjska-gora
Auskunft slovenia.info/de
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