Schärengarten zu Midsommar: mehr Schweden (und schöner) geht nicht
Wilde und abgeschiedene Alternative zum Trubel: die Insel Nåttarö.
Eine kleine felsige Insel, ein rot getünchtes Holzhäuschen mit Steg davor – fertig ist das Inselglück. Schon Literaturnobelpreisträgerin Selma Lagerlöf (1858–1940) wusste, wo die schönsten Eilande ihres Landes im Wasser thronen. So erfährt der geschrumpfte Nils Holgersson bei seiner wunderbaren Reise durch Schweden in Kapitel 37, dass irgendwo zwischen Mälaren und Ostsee Meerjungfrauen ihren Schimmer verbreiteten, die Fischer und Bauern folgten ihnen. Auch der König und sein Jarl waren beim Segeltörn entzückt, als sie den Blick über die Inselrücken schweifen ließen. Es dauerte nicht lange, bis sie Mauern errichteten.
Zuerst Sauna, dann Ostsee: Coolcation-Urlaub im Inselgarten vor Stockholm.
Dennoch: Wer bei einer Bootstour von Stockholm kommend die ersten und mit dem Festland verbundenen Inseln Kullö, Vaxholm oder Lidingö links liegen lässt, hat binnen ein bis zwei Stunden die Wahl zwischen lauter Bilderbuch-Eilanden, zwischen Jacht-Rundfahrten und Kajak-Touren, zwischen edlen Glamping-Unterkünften auf Svartsö oder Holzhütten-Bodenständigkeit auf Finnhamn, zwischen Sonnenbaden auf runden Felsen, dem zweihundertsiebzig Kilometer langen Weitwanderweg „Stockholm Archipelago Trail“ oder der Open-Air-Galerie „Artipelag“ im Städtchen Gustavsberg. Nur dem wie gemalt wirkenden Leuchttürmen entkommt niemand.
Gehisste Fahnen, Zeit zum Runterkommen auf Finnhamn.
Insel-Hopping
Willkommen im Bullerbü-Klischee! Angeblich zählt der Stockholmer Schärengarten dreißigtausend Inseln, wobei jeder noch so winzige Fels mitgerechnet wird. Das Inselhüpfen – zungenbrecherisch Öhoppning auf Schwedisch – startet zumeist am Strömkajen und Strandvägen. Unabhängig von der Richtung steht fest: Jeder Kilometer im Fahrtwind, den man ostwärts tuckert, ist bei der Realitätsflucht behilflich. Coole Wassertemperaturen, frische Fische, Binnenseen, kitschige Birkenwäldchen voller Moos und Schwarzbeeren: Ein Archipel-Ausstieg für wenige Stunden oder Tage wirkt wie eine Turbo-Entschleunigung. Unwirklich, aber wahr. Wie die ausgedehnten Sonnenuntergänge zu dieser Jahreszeit rund um „Midsommar“, Gelsenbegleitung inklusive.
Krimiautorin Viveca Sten hat das Segel-Eldorado Sandhamn populär gemacht, eigene Karten führen zu den mörderischen Schauplätzen. Die Anlegestelle hinter sich zu lassen, zahlt sich aber jedenfalls aus: Ab durch den Kiefernwald zum Südende der Insel und zum weißen Sandstrand Trouville. Wer sich indes im Buchten-Hüpfen üben will, ist bei Knicksand auf Rånö richtig. Aktivere radeln um die einstige Fischer-Insel Möja und kehren hungrig bei „Wikströms Fisk“ für frischen oder geräucherten Fisch, Austern, Hering oder Rogen ein. Die grüne Insel Grinda, ein Naturschutzgebiet, lässt sich auf feschen Wegen umrunden, am Ende warten Meeresfrüchte-Tapas auf der weiten Terrasse von „Framfickan“.
Ein Häuschen, ein Boot, eine Sauna: schwedisches Inselglück auf Huvudskär.
Das Midsommar-Glück
Gerade jetzt, rund um die Midsommar-Feierlichkeiten zum längsten Tag des Jahres (siehe dazu auch Seite 1) verzieht sich jedes Jahr die Stockholmer Schickeria auf ihre hübschen Zweitwohnsitz-Inseln. Dann gesellen sich zum Inselglück mysteriöse Tänze von Menschen, die singend und mit Blumenkränzen im Haar um den Baum hüpfen.
Eine Insel für sich alleine mit Campingzelt.
Die gute Nachricht: Man kann ihnen auf dem nächsten Eiland von Nåttarö, Yxlan oder Furusund und Tausenden anderen den Rücken zuwenden. Und auf dem Weg dorthin bei Schriftstellerin Selma Lagerlöf alles über dieses schwedische Schimmern nachlesen.
Anfahrt Der Schärengarten umfasst 30.000 Insel und Felsen und liegt 80 km östlich von Stockholm in der Ostsee. Man erreicht ihn mit Linien-Fähren, Express-Booten, Wasser-Taxis oder bei geführten Touren, z. B. waxholmsbolaget.se; stromma.se; sl.se
270 Kilometer ist der Weitwanderweg „Stockholm Archipelago Trail“ lang und führt über 20 Inseln, Info: stockholmarchipelagotrail.com
Auskunft visitsweden.de
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