Sardinien
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Sardinien: Wir haben die Grotte versäumt – zum Glück

Versteckte Buchten im türkisfarbenen Meer, Orangenbäume, die sich unter der Last der Früchte biegen, und jahrtausendealte Steinzeitdörfer. Ein Urlaub zu zweit auf Italiens zweitgrößter Insel.

„Sicher?“, fragt die braun gebrannte Frau im weißen Verkaufshüttchen. Hinter ihr, am Porto di Cala Gonone, wippen die Masten der Segelboote sanft in der Morgensonne. Wir, mein Mann und ich, nicken und sie händigt uns die Tickets aus. Ganz kurz kommen dann doch Zweifel auf, als wir über die kleine Holzplanke das Ausflugsboot besteigen; sie werden größer, als es an der Steilküste entlang nach Süden geht, der Fahrtwind die Haare verwirbelt und die Luft salzig schmeckt. Hätten wir doch …? Aber dann sind wir schon beim ersten Stopp angelangt. Nahezu alle Gäste – bis auf ein Pärchen und uns – gehen von Bord. Doch bevor man sich umentscheiden könnte, wirft der Skipper den Motor wieder an und braust weiter Richtung Süden.

Axel Halbhuber und Lea Moser aus dem KURIER-Reise-Team sprechen im Reisepodcast Stadt.Land.Meer. über Reise- und Urlaubsziele - im Fokus steht immer ein Land, eine Region oder eine Stadt. 

Sardinien

Mit dem Eleventh Boot geht es zur abgelegenen Cala Luna.

©Bauer Anna-Maria

Wenig später tritt der Felsvorsprung zurück und lässt den Blick auf eine Bucht frei: ein Sandstrand so fein, als wäre man in der Karibik; Wasser so intensiv türkis, als wäre der Boden mit Jade ausgelegt. Wir nicken einander zu. War es doch die richtige Entscheidung, den Spaziergang in der blauen Grotte auszulassen und gleich an die Bucht zu kommen. Denn die Fußspuren, die wir im Sand hinterlassen, sind an diesem Morgen die ersten. Cala Luna, die Bucht an der Ostküste, ist einzig über eine mehrstündige Wanderung oder per Boot zu erreichen.

Ein Italienurlaub ist immer eindrucksvoll. Doch auf der italienischen Insel Sardinien sind die Gerichte noch ein bisschen ausgefallener, die Geschichte etwas kurioser und die Strände ein wenig eindrucksvoller.

Wie ein Zwiebelturm windet sich die Grotte di Dorgali an der Cala Luna und rahmt das Meer in einer Weise ein, die man so noch nicht erlebt hat.

Mix der Kulturen

Ein paar Stunden später, im Meerwasser geplanscht und später am Hafen von Gonone mit Cappuccino und Cornetto al Pistacchio gestärkt, geht es die gewundene Straße zurück nach Orosei. Enge, kopfsteingepflasterte Gassen winden sich in dem Altstädtchen entlang pastellfarbene Wohnhäuser. In den Vorgärten biegen sich die Äste der Zitrusbäume unter der Last ihrer Früchte und auf der Piazza San Giacomo sticht eine blasse Barockfassade in den Himmel. Mit Giebeln, Verschnörklungen und Terrakottadach erinnert sie sowohl ein wenig an einen römischen Tempel als auch an eine spanische Hacienda. Wie viele Mittelmeerinseln ist Sardinien von verschiedensten Einflüssen geprägt: Lange vor den Italienern waren hier die Katalanen, die Phönizier – und natürlich die Nuraghen.

Mix der Kulturen

Ein paar Stunden später, im Meerwasser geplanscht und später am Hafen von Gonone mit Cappuccino und Cornetto al Pistacchio gestärkt, geht es die gewundene Straße zurück nach Orosei. Enge, kopfsteingepflasterte Gassen winden sich in dem Altstädtchen entlang pastellfarbene Wohnhäuser. In den Vorgärten biegen sich die Äste der Zitrusbäume unter der Last ihrer Früchte und auf der Piazza San Giacomo sticht eine blasse Barockfassade in den Himmel. Mit Giebeln, Verschnörklungen und Terrakottadach erinnert sie sowohl ein wenig an einen römischen Tempel als auch an eine spanische Hacienda. Wie viele Mittelmeerinseln ist Sardinien von verschiedensten Einflüssen geprägt: Lange vor den Italienern waren hier die Katalanen, die Phönizier – und natürlich die Nuraghen.

Sardinien

Sardische Spezialität: Seada. Frittierte Teigtaschen mit Pecorino und Honig.

©Bauer Anna-Maria

Doch zu ihnen wird es erst am nächsten Tag gehen. Zeit fürs Abendessen. Hinter einer unscheinbaren pastellgelben Fassade in der schmalen Via F. I. Mannu führt Giuseppe Chessa an einen der hellen Holztische. Wer hier einfache ländliche Küche erwartet, wird rasch eines Besseren belehrt. Zur Vorspeise gibt es von Chefköchin Maria, Giuseppes Mutter, fein gehachelten Schwertfisch in Zitronenmarinade. Es folgen schwarze Tintenfischravioli mit Bottarga, bei der der Rogen des Meerräschen-Fisches gesalzen, gepresst und sonnengetrocknet wurde. Nussig, salzig, ein bisschen so als würde man ins Mittelmeer beißen.

Giuseppe lächelt über den Vergleich – und bietet zur Nachspeise die nächste landestypische Eigenheit: Seada. Frittierte Teigtaschen mit salzigem Pecorino, mildem Honig und getrockneten Orangenscheiben. Ein Dessert halb Krapfen, halb Cheesecake. Ideal zum Glas Vermentino di Sardegna.

Sardinien

Das Nuraghe Majori ist eines von  dreihundert Steinbauten aus der Bronzezeit, errichtet von den rätselhaften Nuraghen.

©Bauer Anna-Maria

Mysteriöse Türme

Tags darauf führt die Reise – trotz des strahlenden Sonnenscheins – nicht direkt zur Costa Paradiso, die mit ihren pinken Steinformationen lockt. Stattdessen biegen wir nach rund zwei Stunden Autofahrt Richtung Nordwesten in eine rumpelige Landstraße ein, bis linker Hand ein Schild auf das „Nuraghe Majori“ verweist.

Info

In der Lichtung eines dichten Korkeichenhains ragt ein massiver trichterförmiger Turm in die Höhe. Er ist zur Gänze aus Granitblöcken geformt, die in Trockenbauweise aufeinandergeschichtet wurden. Mit seinen zwei Kammern und einem Gang, der in die obere Etage führt, ist der Turm unter den dreihundert derartigen Bauten, die es in Sardinien zu erkunden gibt, einer der größten. Errichtet vor rund dreitausend Jahren wurde er von den Nuraghen, einer rätselhaften Zivilisation. Bis heute ist nicht geklärt, wie sie sich selbst nannten, welche Sprache sie sprachen oder welchen Zweck ihre Türme konkret erfüllten. „Spannend, oder?“, sagt Miriam Spano, die die Stätte betreibt und uns eine Taschenlampe reicht. „Wenn ihr vorsichtig seid, könnt ihr in der linken Kammer eine Fledermaus ausmachen.“

Anna-Maria Bauer

Über Anna-Maria Bauer

Schreibt seit 2021 als freie Autorin aus London für den KURIER über Politik, Royals und Lifestyle. Zuvor acht Jahre in der Wien-Chronik.

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