Die treue Hündin vom Wolfgangsee
Hündin Gerti kennt den Rhythmus des Wolfgangsees besser als jeder andere.
Gerti liegt vor dem Hotel Peter und tut – nichts. Kein Bellen, kein Wedeln, kein aufgeregtes Herumspringen. Sie ist erst wenige Jahre alt, hat ein Fell wie flüssige Schokolade und einen Blick, der alles registriert, ohne es zu kommentieren. Die Gäste denken, sie sei faul. Dabei ist sie einfach nur effizient. Warum Energie verschwenden, wenn der Wolfgangsee ohnehin alles zu ihr bringt?
Die Kinder, die mit lautem Gelächter auf dem Steg entlang laufen. Die alten Herren, die jeden Morgen um sieben Uhr ihren Kaffee am selben Tisch bestellen.
Das leichte Knarren der Holzplanken, wenn die Fischer ihre Boote zu Wasser lassen. Gerti sieht die Muster, bevor sie sich wiederholen. Sie riecht den Regen, bevor die ersten Touristen ihre Jacken zurechtrücken.
An heißen Juninachmittagen, wenn die Sonne den See zum Glitzern bringt, findet man sie oft am Steg zum See, das kühle Nass genießen. Dann beobachtet sie die Ausflugsschiffe, die gemächlich über das Wasser ziehen, und die Badegäste, die ins klare Blau springen. Für Gerti sind sie alle Teil eines vertrauten Schauspiels, das sich jeden Sommer aufs Neue entfaltet.
Am Abend, wenn die Luft nach gegrilltem Fisch und Sonnencreme riecht, trottet sie zurück zum Hotel Peter. Die Wallfahrtskirche am Marktplatz ist nur noch eine Silhouette, das Plätschern des Brunnens mischt sich unter das Gemurmel der letzten Gäste auf der Terrasse. Auch Gerti nimmt zwischen den Stühlen Platz. Sie beherrscht nämlich die Kunst, unauffällig näher an das fallen gelassene Pommes zu rutschen, das der Kellner übersah. Jeder Zentimeter berechnetes Risiko. Jede Pause ein Test, ob die Welt sie noch bemerkt.
Info
Frühstück Auf der Terrasse des Restaurants Paul sitzen, einen Kaffee bestellen und beobachten, wie das Morgenlicht über den Wolfgangsee wandert. paulderwirt.at
Sprung in den See Morgens ist das Wasser oft spiegelglatt. Wer mutig ist, wird mit einer Erfrischung belohnt.
Abendessen Im Restaurant Paula im Hotel Weisser Bär: Österreichische Klassiker, gekocht wie bei Oma – nur etwas feiner. weisserbaer.at
Vielleicht auch nicht
Die Gläser klirren, irgendwo spielt jemand leise Gitarre. Gerti legt sich hin, die Pfoten unter dem Körper, und beobachtet, wie der See langsam zur Ruhe kommt. Die Lichter der Boote spiegeln sich im Wasser und die Berge im Hintergrund wirken wie eine stille Kulisse für diesen perfekten Moment. Ab und zu bleibt ein Gast stehen und streicht ihr über den Kopf. Gerti öffnet dann vielleicht ein Auge, vielleicht auch nicht. Aufmerksamkeit nimmt sie freundlich zur Kenntnis.
Gerti atmet mit dem See. Hier, zwischen Bergen und Wasser, gibt es keine Eile. Hier zählt nur der Rhythmus des Wolfgangsees – und Gerti kennt ihn besser als jeder andere.
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