Das Traunerl - Rudern wie zu Kaisers Zeiten
Die historischen Boote am Wolfgangsee, lassen Natur, Handwerk und Geschichte aus einer neuen Perspektive erleben.
Wer den Wolfgangsee erleben will, hat viele Möglichkeiten: mit dem Ausflugsschiff, dem Stand-up- Paddelboard oder dem Segelboot. Die vielleicht ursprünglichste Art, über das Wasser zu gleiten, ist jedoch eine Fahrt mit dem Traunerl. Die schmalen Holzboote gehören seit Jahrhunderten zur Kulturlandschaft des Salzkammerguts – und erleben heute eine bemerkenswerte Renaissance.
Schon von weitem wirken die Traunerl wie Relikte aus einer anderen Zeit. Lang, schlank und mit ihrer charakteristisch hochgezogenen Spitze erinnern sie ein wenig an venezianische Gondeln.
Das Traunerl erinnert an eine venezianische Gondel
©Traunerl am WolfgangseeTatsächlich reicht ihre Geschichte bis ins Mittelalter zurück. Damals waren sie keine romantischen Ausflugsboote, sondern unverzichtbare Verkehrsmittel. Wallfahrer, Händler, Tiere und Waren wurden zwischen St. Wolfgang, Strobl und St. Gilgen über den See transportiert. Der Bootsverkehr war zeitweise so rege, dass bereits 1647 eine Art Schifffahrtsordnung erlassen wurde, die die Zahl der zugelassenen Boote begrenzte. Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt verloren die Traunerl nach und nach ihre Bedeutung. Im 20. Jahrhundert verschwanden sie fast vollständig vom Wolfgangsee.
Verein belebt die Tradition
Vor wenigen Jahren existierten nur noch wenige Exemplare. Dass die Tradition nicht verloren ging, ist vor allem engagierten Einheimischen zu verdanken. Der Verein „Naturerlebnis Traunerl“ hat sich seit 2014 dem Erhalt der historischen Boote verschrieben. In einer eigenen Werkstatt werden neue Traunerl nach alten Vorbildern gebaut, zugleich wird das Wissen über die traditionelle Bauweise und Rudertechnik weitergegeben. Denn einfach zu steuern sind die Boote keineswegs. Ein Traunerl besitzt in der Regel nur ein einziges Ruder. Der Steuermann steht am Heck und bewegt das Boot mit einer speziellen Technik vorwärts. Wer diese nicht beherrscht, dreht sich eher im Kreis, als ein Ziel zu erreichen. Die Kunst ähnelt jener der Gondolieri in Venedig und verlangt viel Übung, Kraft und Gespür für Wind und Wasser.
„Leopoldbauer“ Sigmund Falkensteiner hat den Verein gegründet
©Leopoldhof ,St. WolfgangFür die Passagiere hingegen ist die Fahrt pure Entschleunigung. Ohne Motorengeräusch gleitet das Boot beinahe lautlos über den See. Das Wasser plätschert gegen den Holzrumpf, die Berge spiegeln sich auf der Oberfläche, und die Uferlandschaft zieht gemächlich vorbei. Genau diese Ruhe macht den besonderen Reiz aus. Der Verein versteht das Traunerlfahren bewusst als Gegenpol zu Hektik und Dauererreichbarkeit.
Besonders stimmungsvoll wird es beim sogenannten Echoblasen an der Falkensteinwand. Dabei spielen Weisenbläser traditionelle Melodien direkt vom Boot aus. Die Töne werden von den steilen Felswänden zurückgeworfen und hallen über den See. Beim „Musik-Traunerl“ werden Ausfahrten mit Blasmusik-Gruppen angeboten, welche in den jeweiligen Buchten vor den drei Wolfgangsee-Orten ankern und musizieren. Auch kulinarisch kann das Traunerl genutzt werden: Es werden Frühstücks- und Jausen-Ausfahrten durchgeführt. Das Traunerl kann (samt Fahrer) dafür sowohl von Gästen als auch von Gastronomen gebucht werden. Im Sommer gibt es ein spezielles Traunerl für Kinder, wo Kleintiere wie Ziegen, Schafe, Hasen und Zwergponys mit an Bord sind. Und ein Highlight im Winter ist das Sauna-Traunerl.
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