Die größte Insel Australiens: Eine Reise durch Tasmanien
Vom scheuen Tasmanischen Teufel über uralte Baumfarne bis zu legendären Stränden – die Insel am Rand der Welt ist ein Paradies für Entdecker.
Von Verena Popp-Hackner und Georg Popp
Tasmanien ist mit 68.000 km² zwar Australiens größte Insel, jedoch der mit Abstand kleinste Bundesstaat. Als Insel ringsum vom Pazifik umgeben, ist sie für Reisende im Vergleich überraschend überschaubar. Wer schon einmal in Australien war, kennt mitunter das Problem: Der rote Kontinent ist unfassbar groß. Etwa so groß wie die USA ohne Alaska, allein der Bundesstaat Westaustralien hat über 2,5 Millionen Quadratkilometer. Und zwischen zwei interessanten Spots liegen mitunter 1.000 Kilometer ödes Buschland.
Australien
©GrafikEin Besuch in "Tassie", wie die Insel Down Under liebevoll genannt wird, fühlt sich daher wie eine Reise in ein eigenes Land an. Abgesehen von den 250 Kilometern Distanz zum Kontinent unterscheiden sich ganz einfach zu viele Dinge vom Festland. Lange Autofahrten sind nicht notwendig, und es gibt auf engem Raum eine enorme Fülle an ebenso unterschiedlichen wie spektakulären Landschaften. Selbst nachdem wir bereits zehn Mal hier waren, können wir der Insel immer wieder neue Geheimnisse entlocken.
Ein Tasmanier sagte uns einmal: "Hätten Australien und Neuseeland ein Kind, Tasmanien wäre ihre Tochter." Das klingt vielleicht schräg, hat jedoch durchaus etwas an sich. Die unberührte Bergwelt, die Wasserfälle und die riesigen temperierten Regenwälder im Westen und Südwesten erinnern stark an Neuseeland. Das gilt auch für das Wetter.
Die Farben der Rinde der "Snow Gums" (Schnee Eukalypten) im Mt.-Field- Nationalpark sind am schönsten bei Regen.
©popp-hackner photographyRegen, Sonne, Schnee: Tasmanien
Wo viel Grün wächst, fällt viel Regen. Tasmanien ist der einzige australische Bundesstaat mit ausgeprägten Jahreszeiten – Winter und Schnee inklusive. Eigentlich erinnert die Insel landschaftlich oft mehr an Neuseeland als an das "rote" Australien. Was jedoch die Tierwelt betrifft, lässt sich die Zugehörigkeit zum australischen Kontinent nicht verleugnen. Für manchen Reisenden ist das auch mit einem "leider" verbunden. Nicht wegen der vielen süßen Kängurus, Wallabies und ebenso frechen wie pelzigen Fuchskusus, Wombats oder den noch niedlicheren Ameisenigeln, denen man beim Campen in Tasmanien unweigerlich begegnet, sondern wegen der vielen Schlangen.
Tierische Begegnung mit einem Wallaby.
©popp-hackner photographyEs gibt zwar nur drei Schlangenarten in Tasmanien, aber diese sind – typisch Australien – alle giftig. Einheimische versichern, dass sie "nur selten tödlich" sind, aber Vorsicht ist geboten, zumal man während einer Wanderung recht weit weg von Arzt oder Spital sein kann. Dabei ist Wandern in Tasmanien besonders angesagt, ist es doch die Natur, die so viele Menschen aus weiter Ferne hierher auf die Insel lockt.
Entdeckertour mit Zelt
Wer Tasmanien kennenlernen will, lässt Auto und Asphalt am besten hinter sich. Das gilt für Tagesausflüge genauso wie für mehrtägige Touren mit Zelt und Schlafsack. Etwa ein Viertel der Landesfläche sind als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt, mehr als ein Drittel Tasmaniens ist in Form von Nationalparks geschützt. Im Osten der Insel scheint oft die Sonne, das Klima ist mild. Weiße Strände mit von Flechten rot gefärbten Granitblöcken säumen den "Mount William Nationalpark" und die "Bay of Fires" beim Küstenort St. Helens.
Sandsteinformationen an der Küste von Maria Island, im Osten Tasmaniens
©popp-hackner photographyWeiter im Landesinneren, etwa in den "Blue Tier Mountains", wandert man durch spektakuläre Urwälder aus Baumfarnen. Der Kern der Insel bis hin zum Süden und Westen wird von riesigen, meist gebirgigen Nationalparks, wie etwa dem "Walls of Jerusalem", "Franklin-Gordon-Wild Rivers" oder "Cradle Mountain-Lake St Clair" geprägt. Letzterer wurde übrigens von einem Österreicher erschaffen, der in Tasmanien durchaus als Legende zu bezeichnen ist: Gustav Weindorfer stammte aus Kärnten und wanderte um 1900 nach Australien und ein paar Jahre später nach Tasmanien aus.
Als Hobbybotaniker verliebte er sich in die Natur der Insel, insbesondere in das Gebiet der Cradle Mountains. Er war der Erste, der sich vehement für den Schutz der tasmanischen Natur einsetzte. Sein Chalet "Waldheim" ist heute ein Publikumsmagnet – und braucht Schutz vor dem Ansturm.
Wandern entlang der Klippen beim "Cape Hauy", Tasman-Nationalpark.
©popp-hackner photographyWo der kleine Teufel zu Hause ist
So gut wie keinen Menschen begegnet man im äußersten Süden und Westen Tasmaniens. Bei einer Wanderung im unberührten "Southwest Nationalpark" kann man sich von der unberührten Weite dieser Naturlandschaften ein besonders gutes Bild machen. Manche der Bergplateaus mit Mooren und Pandani-Pflanzen sehen aus, als könnten dort nach wie vor Dinosaurier hausen. Sie sind so schwer zu erreichen, dass sich daran sobald auch nichts ändern wird.
Morgenstimmung am Lake Oberon, Southwest Nationalpark.
©popp-hackner photographyFür das Erwandern der schroffen Felsküsten der Tarkine-Landschaft, nordwestlich des "Walls of Jerusalem Nationalparks", mit den riesigen temperierten Regenwäldern im Hinterland, reicht ein Fotografenleben nicht. Ozeandünung, Felszacken, Sanddünen, Urwälder und wilde Flüsse prägen den von Stürmen geprägten Westen. Es ist eines der letzten Gebiete, wo der Tasmanische Teufel noch anzutreffen ist. Er ist der größte noch lebende Raubbeutler und existiert nur hier.
Der Tasmanische Teufel
©popp-hackner photographyDer kecke "Devil" fletscht gerne seine Zähne, bekommt bei Aufregung rote Ohren und verbreitet einen üblen Gestank. Mit einem Kuscheltier wird das scheue und ungefährliche Geschöpf daher wohl eher nicht verwechselt. Leider ist es wegen einer Viruserkrankung bedroht, die sich aufgrund der aggressiven Verhaltensweise der Tiere untereinander durch Bisswunden rasch ausbreitet.
Einen besonderen Eindruck von der Natur des Tarkine-Gebiets bekommt man übrigens vom Boot aus, wir haben uns im eigenen Kajak auf den Weg gemacht. Ein Erlebnis, das man nicht vergisst. Der "Pieman River" schneidet durch den Wald der Tarkine bis hin zur Küste. In Corinna, wo eine Handvoll Häuser bei einer kleinen Autofähre stehen, kann man geführte Bootstouren buchen oder sich ein Kajak mieten.
Kajakabenteuer am "Pieman River"
©popp-hackner photographyTasmanien wird vermutlich immer ein wenig unentdeckt bleiben. So soll neben dem Tasmanischen Teufel auch das vielleicht geheimnisvollste Lebewesen der Insel – obwohl offiziell längst ausgestorben – immer noch hier existieren: der Tasmanische Tiger, ein fleischfressendes Beuteltier, das einem Hund mit Streifen ähnelt.
Die Legende des Tigers
Er wurde seit gut 100 Jahren nicht mehr nachweisbar gesichtet, aber die Suche nach ihm hat nie aufgehört. Zeitig in der Früh, wenn Nebelschwaden über dem Fluss liegen, glaubt man fast, dass das legendäre Tier hier seine Runden zieht – die Atmosphäre am Wasser ist mysteriös und atemberaubend. Man versteht, weshalb es in "Tassie" den Mythos um den Tasmanischen Tiger immer geben wird. Zumal es Abenteurer gibt, die behaupten, dass er immer noch lebt.
Einen Foto-Beweis konnten sie noch nicht liefern, doch einige von ihnen haben so viel Zeit und Geld in die Jagd nach Aufnahmen vom Tiger investiert, dass es sie sogar finanziell in den Ruin trieb. Steckt also doch mehr dahinter? Wer würde schließlich seine Existenz aufs Spiel setzen, nur um ein Märchen zu erzählen? Wir als Fotografen, immer auf der Suche nach schönen, spannenden Landschaften und sehr oft tagelang mit schwerem Rucksack und Proviant für mehrere Tage unterwegs, können aus der Legende des Tasmanischen Tigers durchaus Kraft und Inspiration ziehen.
Unglaublich magische Gewitterstimmung und schroffe Felsen: Die Aufnahme wurde an der Tarkine-Küste im äußersten Westen Tasmaniens gemacht.
©popp-hackner photographyDenn wenn das Wetter kippt und der Weg durch steiles Gelände, kalte Bäche und Gestrüpp führt, fragen wir uns schon: "Warum machen wir nicht einfach Urlaub wie jeder andere?" Die Antwort: "Weil man nie weiß, ob einem nicht hinter der nächsten Ecke ein Tiger vor die Linse springt!" Stimmt, ein Bild vom Tasmanischen Tiger, das würde sich verkaufen wie heiße Schokoladeneiscremetorte. Und so werden wir wohl auch weiterhin noch viele "wilde Ecken" von "Tassie" erkunden.
Anreise
Etwa mit Quatar Air via Melbourne (Wien – Doha – Melbourne – Hobart). Oder per Autofähre (von Melbourne), wenn man Tasmanien mit einer größeren Australienreise verknüpft.
Kommentare