Weltmeister im Teetrinken: So trinkt man Tee richtig in Schichten

Leer in Ostfriesland: Lokalaugenschein bei Bünting Tee, dem ältesten privaten Teehandelshaus der Region.
Bei Bünting Tee in Leer in Ostfriesland.

Zusammenfassung

  • Ostfriesen sind Weltmeister im Teetrinken und pflegen eine traditionsreiche Teezeremonie mit Kluntje und Wulkjes, die zum UNESCO-Kulturerbe zählt.
  • Das älteste Teehandelshaus Bünting in Leer bietet Teemuseum und Verkostungen, wo die jahrhundertealte Teekultur erlebbar wird.
  • Leer beeindruckt mit historischer Altstadt, Museumshafen und als bedeutender Standort für Schifffahrt und Kreuzfahrtschiffbau.

Wer ist Weltmeister im Teetrinken? Die Ostfriesen. Mit dreihundert Liter pro Kopf und Jahr! Kein Witz! Gefolgt von Libyern, Türken und Briten mit 287, 277 und 190 Litern. Weil die norddeutsche Volksgruppe Schwarztee nicht nur in rauen Mengen schlürft, sondern daraus eine traditionsreiche Zeremonie der Geselligkeit machte, wurde die Teekultur Ostfrieslands zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe ernannt. Zu erleben gibt’s diese im Städtchen Leer, dem „Tor Ostfrieslands“.

Axel Halbhuber und Lea Moser aus dem KURIER-Reise-Team sprechen im Reisepodcast Stadt.Land.Meer. über Reise- und Urlaubsziele - im Fokus steht immer ein Land, eine Region oder eine Stadt. 

Jahrhunderte alter Familienbetrieb

Konkret bei Bünting Tee, dem ältesten privaten Teehandelshaus der Region. Der Familienbetrieb etablierte in seinem 220 Jahre alten Kolonialwarenkontor im Herzen der Stadt ein Teemuseum. Teeverkostungen hier lassen nichts aus, was die getrockneten, fermentierten Blätter aus der Pflanzengattung Kamelien betrifft. 

Mit Kluntje und Wulkjes

Das alte Ritual der „Teetied“ wird möglichst in netter Gesellschaft zelebriert. In die kräftige schwarze Ostfriesen-Mischung gehört ein „Kluntje“ (Kandiszucker) am Boden der Tasse und ein „Wulkjes“ (Sahnewölkchen) mit einem winzigen Schöpfer obendrauf drapiert. Umgerührt wird nicht, die Norddeutschen trinken den Tee in drei Schichten: sahnig-mild, aromatisch, unten süß. „Dree is Oostfreesenrecht“: Drei Tassen gehören zu einer Teetied mindestens dazu, dazu wird „Krintstuut“ (Rosinenbrot) mit Butter geknabbert.

Wie kam es zu dieser Tee-Obsession? Im 17. Jahrhundert verboten die Kirchenväter Ostfrieslands das Trinken von Alkohol und empfahlen stattdessen Tee. Hundert Tassen pro Tag (!) führten angeblich in den Himmel. „Geniales Marketing“, schmunzelt Museumsleiter Henning Priet. In Wahrheit aber war damals nur abgekochtes Wasser hygienisch unbedenklich – und als Tee schmeckte es besser.

Werft und Altstadt

Das Städtchen Leer sollte man keineswegs nur zum Teetrinken besuchen: Es gefällt als eine der letzten erhaltenen Altstädte Ostfrieslands mit roten Backsteinhäusern aus dem 16. Jahrhundert. Die Vergangenheit der Stadt als bedeutender Handelsplatz an den Flüssen Ems und Leda ist spürbar. Obwohl fünfundvierzig nautische Meilen vom Meer entfernt, ist Leer bis heute einer der bedeutendsten Hafen- und Reederei-Standorte Deutschlands

Die Meyer Werft im nahen Papenburg baut Kreuzfahrtschiffe für Aida, Royal Caribbean, Disney Cruise Line und Carnival. An Bord der gigantischen Luxusliner wird bestimmt auch Ostfriesentee getrunken.

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